Aufsatz 
Making als Vermittlungsmethode zur genderinklusiven Berufsorientierung : Werkstattbericht zum Forschungsprojekt "NextGenLab" / Theresa Unger
Entstehung
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ForschungsprojektNextGenLab

abgebaut werden 33 (was jedoch monoedukative Formate dabei methodisch nicht ausschließt). Unabhängig von der individuellen Geschlechtsidentität sol­len Freiräume für die persönliche Entwicklung und Entfaltung ermöglicht wer­den 34 , damit eine breite Gruppe unterschiedlicher Typen von Mädchen und Bu­ben sich im techLAB wiederfinden und gemäß der eigenen Vorlieben entfalten und ausprobieren kann. Diese Identifikation, also das Sich-Wiederfinden in im techLAB präsenten Gegenständen, Produktions- oder Anwendungsmöglich­keiten, weil sie etwas mit der eigenen Lebensrealität zu tun haben oder auf persönliche Interessen, Bedürfnisse oder Alltagsnutzen eingehen, bietet das Potenzial dafür, auchnicht-technikaffine Gruppen für die Technologie und ihre kreativen Möglichkeiten zu interessieren.

Damit ein solcher Raum entstehen kann, müssen verschiedene vermittlerische Ansatzpunkte aufgegriffen werden . 35 Dies beginnt mit der Art, mit der die Ex- plainer*innen den Nutzer*innen begegnen: Wie sprechen sie welche Besu­cherinnen an, um einen angenehmen, involvierenden Einstieg in die Situation zu bieten? Verwenden sie gendergerechte Sprache? Welche Sprachbilder und sprachlichen bzw. sozialen Codes nutzen sie? Welche Vorschläge und Ange­bote machen sie, welche Ansichtsprojekte zeigen sie wem zur Inspiration? Wie ist das Verhältnis von Dinge-vorzeigen und Dinge-ausprobieren-lassen? Wann ist es hilfreich, jemandemin die Maus zu greifen, und wann übergriffig? Wem trauen die Explainer*innen was zu? Wen nehmen sie bei Frage-Antwort-Situ- ationen dran? Bekommen zurückhaltende Nutzer*innen die gleichen Möglich­keiten wie dominante? Wo verläuft der Grat zwischen der Vereinfachung von Schaffensprozessen und der Beschneidung von Ermächtigung? Genderinklusive Kommunikation beschränkt sich also keineswegs auf ge­schlechterneutrale Sprachverwendung, oft transportieren sich Stereotype durch (unbewusste) Rollen- und damit auch Kompetenzzuschreibungen. Immer wenn den Jugendlichen von den Explainer*innen Vorschläge oder Angebote gemacht, Aufgaben übertragen oder Tätigkeiten abgenommen werden, ist in diesen eine Zuschreibung von Identifikation einerseits, und von Vermögen oder Unvermögen andererseits enthalten. Hier ist es also wichtig, diese Zuschreibungen möglichst offen zu halten, sich immer wieder auf eine persönliche Kommunikationsebene zurückzubesinnen (die Nutzer*innen also nicht nur als Vetreter*innen einer Grup-

33 Vgl. Toolkit Hypatia Project, aus: http://www.expecteverything.eu/file/201 7/05/Hypatia_Toolkit DE.pdf (8.2.2019), S. 4.

34 Vgl. Ebd.

35 Vgl. Ebd., S. 5-7.

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