Geschichte der Chemie
Jost Weyer:
Geschichte der Chemie. 2 Bände. Band 1: Altertum, Mittelalter, 16. bis 18. Jahrhundert. Band 2: 19. und 20. Jahrhundert.
Berlin: Springer Spektrum Verlag 2018, 576 bzw. 465 Seiten.
Eine deutschsprachige Geschichte der Chemie von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, mehr als 1000 Seiten Text und 3000 Belege - das ist ein Novum auf dem Büchermarkt. Der Autor war über 30 Jahre lang am Institut für Geschichte der Naturwissenschaften in Hamburg tätig, ein gutes Jahrzehnt lang amtierte er als Vorsitzender der Fachgruppe „Geschichte der Chemie“ der Gesellschaft deutscher Chemiker. Es handelt sich hier also offenbar um ein Alterswerk, das auf einer halben Lebenszeit an Vorarbeit beruht.
Die beiden Bände sind geradezu enzyklopädisch angelegt. Darin wird der Bogen der Chemiegeschichte über einen sehr langen Zeitraum gespannt; der Verfasser berücksichtigt große nichteuropäische Regionen wie China und den indischen Subkontinent. Auch die Breite der angesprochenen Themen ist enorm. Viel Raum wird der Ideen- und Geistesgeschichte chemischen Denkens gewidmet. Für die einzelnen Zeiträume finden sich Kapitel über neu auftauchende chemische Stoffe, Verfahren und Geräte sowie über das Spektrum an chemisch orientierten Berufen, den Wandel der Chemie zur Wissenschaft, ihre Etablierung an Akademien, Hochschulen und schließlich Universitäten. In weiteren Abschnitten werden Lehrbücher, Zeitschriften und Kongresse als Mittel zur Verbreitung chemischen Wissens charakterisiert. Eine Reihe von Biografien findet kurz Erwähnung; Anekdoten sind - und das ist zu begrüßen - seltene Ausnahmen. Aber an August Kekules traumartiger Vision, die schließlich zur Entdeckung der Kohlenstoff ketten führte (Band 2, S. 108, 119), kommt wohl keine Chemiegeschichte vorbei. Insgesamt werden auch Lesende, die mit der Geschichte der Chemie gut vertraut sind, eine Reihe neuer Nuancen und Aspekte finden.
Die Darstellung profitiert von der langjährigen Erfahrung des Autors als Vermittler. Fachbegriffe beschreibt er mit einem sicheren Blick für das Wesentliche prägnant und verständlich, zusammenfassende Abschnitte heben Aspekte des Dargelegten noch einmal hervor. Einige Kapitel, etwa über Theorien der chemischen Bindung, über physikalische Chemie und über chemische Kinetik, erschließen sich für den Laien erst bei genauer Lektüre, aber das liegt wohl in der Natur der Sache.
Weyer hat sein Buch, wie er darlegt, „nicht als ein Nachschlagewerk konzipiert, sondern als ein im Zusammenhang lesbares Buch.“ (Band 1, S. VII).
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