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Von Bibergeil bis Theriak : Apothekengefäße aus den Sammlungen des Technischen Museums Wien / Mechthild Dubbi
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82 Alchemie – Pharmazie – Kosmetika Alchemie und Pharmazie Alchemie und Pharmazie haben gemeinsame Wurzeln. Ein Stück des Weges sind sie miteinander gegangen, bis sich ihre Wege endgültig trennten. Es war Paracelsus, der im 16. Jahrhundert der Alchemie eine konkrete Aufgabe zuschrieb, nämlich die, Arzneien zu machen. Die Zeichen und Formeln der Alchemisten haben sich auch in der Pharmazie lange Zeit als nützlich erwiesen. Die Symbole θ für Salz, für Pulver, für Wasser, für Ammoniak, Ω für Spiritus, für Antimon, Φ für Salpeter, für Schwefel und viele andere finden sich bis in das 19. Jahrhundert in pharmazeutischen Rezepturen und auf Arzneigefäßen. Weniger Zauberei als vielmehr eine möglichst rasche Verständigung zwischen Arzt und Apotheker steckte hinter der Verwendung der praktischen Zei­chensprache. Dass diese geheimnisvollen Symbole für das Publikum unver­ständlich waren, mag vielleicht im einen oder anderen Fall zur Genesung des Patienten sogar entscheidend beigetragen haben. Einige Dutzend Glasflaschen mit alchemistischen Zeichen haben Eingang in die Sammlung gefunden. Dabei sind die Gefäße mit dem beliebten blauen Blätter­kranz am häufigsten vertreten. Auf einer Vierkant-Glasflasche(Abb. 117) findet sich das alchemistische Zeichen für„Aqua“. Die Flasche enthielt„Aqua: Violar“: (Aqua Violarum, Veilchenwasser), das als kühlend galt. Das alchemistische Symbol Ω für„Spiritus“ findet sich etwa auf der Vierkant-Glasflasche(Abb. 118). „Spiritus Formic“.(Spiritus Formicarum, Ameisengeist) wurde als Antirheumati­kum verwendet. Gleich drei alchemistische Zeichen trägt das Gefäß(Abb. 119): Ω für„Spiritus“, θ für„Sal“ und für„Ammoniak“. Dies ergibt zusammen mit dem Zusatz Anis„Spiritus Salis ammoniaci anisatus“, den anishaltigen Salmiakgeist. Dieser wurde bei Lungen- und Brustleiden sowie gegen Blähungen gegeben. Die alchemistischen Zeichen Ω für„Spiritus“ und Φ für„Nitri“(Salpeter) trägt die Vierkant-Glasflasche(Abb. 120);„Spiritus Nitri dulc“.(Spiritus Nitri dulcis, versüßter Salpetergeist) wirkte als Analeptikum stimulierend, aber auch innerlich reinigend und schleimabführend. Eine andere Flasche(Abb. 121) beinhaltete Ω Vini,„Spiritus Vini“(Weingeist oder reiner Alkohol). 70%igen Alkohol bekommt man auch heute noch in der Apotheke zu kaufen.