Technikanthropologie
liehe Gewichtung erhalten. Bisweilen erscheinen die Literaturangaben im Verhältnis zur Länge der Kapitel etwas überbordend; so schließt der Eintrag über „Natur“ mit beachtlichen 53 Nennungen.
In einem Buch, das laut Untertitel auch als Einstieg für Studierende gedacht ist, würde man erwarten, dass die Autorjnnen ihre Themenfelder jeweils auch kurz für jene definieren, die damit noch nicht vertraut sind. Eine solche Erklärung sucht man beispielsweise im Kapitel über „Technologische Singularität“ vergebens. Was damit gemeint sein könnte, muss man sich bei der Lektüre mühsam zusammenreimen, oder man liest gleich beim anschließenden Kapitel über Transhumanismus weiter, wo auch die Singularität einleuchtend charakterisiert wird.
Bei anderen Artikeln vermisst man den Anspruch der Herausgebenden, die Darstellungen jeweils historisch zu verorten, oder gewinnt den Eindruck, dass diesem Aspekt mehr Gewicht beigemessen werden könnte. Im Beitrag über Automaten geschieht diese perspektivische Schau durchaus, er verbleibt aber doch stark im 18. Jahrhundert. In den interessanten Ausführungen über Sensoren hätten sich ein paar Beispiele gut gemacht, welche Rolle die menschliche Sinneswahrnehmung etwa in der gewerblichen und industriellen Produktion oder im Alltag früher spielte, ehe sie in zunehmendem Maß durch technische Geräte abgelöst wurde. Beim Überblicken der großen Zahl aufgenommener Stichworte lässt sich im Nachhinein leicht die Frage stellen, wie ihre Auswahl zustande gekommen ist. Manche Begriffe überraschen in diesem Zusammenhang, andere könnte man als fehlend monieren, etwa den „Roboter“ - möglicherweise etwas banal, aber doch wirkungsmächtig - oder die Sinneswahrnehmungen des Riechens bzw. Schmeckens, nachdem in diesem Band doch das Hören, Sehen und Fühlen bzw. Tasten berücksichtigt wurden.
Was das Lektüreerlebnis betrifft, ist die Schrift etwas klein geraten; allerdings wird man den voluminösen Band wohl nur in Ausnahmefällen zur Gänze durchlesen. Und wieder einmal fällt eine althergebrachte Eigenschaft im Editionsprogramm des Nomos-Verlags auf: Überschriften und Zwischentitel sind mit einem viel zu großen Zeilenabstand gesetzt und erhalten dadurch vor allem bei den kürzeren Kapiteln ein unangemessenes Eigenleben.
Insgesamt bietet der Band aber gewinnbringenden Anlass zum gezielten oder zufallsorientierten Hineinlesen, und wie die Herausgebenden selbst meinen, sind die „vielfältigen Überschneidungen, die sich in den zahlreichen Querverweisen finden, Teil des Programms, gerade um die Problematik von Kategorisierungen zu durchkreuzen“ (S. 27). Ein Sach- und Personenregister erleichtert die Nutzung. Man kann davon ausgehen, dass auch ein so umfangreiches und
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