Heft 
2020: Band 82 (2020): Mensch & Maschine
Entstehung
Seite
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Androiden als Spie(ge)l der Aufklärung

elaboriertes Buch erst den Auftakt zu längeren Diskussionen bildet, die seinem Erscheinen folgen werden.

Hubert Weitensfelder Wien

Catarina Caetano da Rosa:

Androiden als Spie(ge)l der Aufklärung Hamburg: AVI NUS Verlag 2020, 181 Seiten.

Die meiste Bewunderung verdienen [...] Automate welche unter der Gestalt menschlicher Figuren allerley menschliche Handlungen vorzunehmen scheinen. Dieser Satz aus einem Lexikoneintrag zum StichwortAutomat des ausgehen­den 18. Jahrhunderts verweist auf die große Faszination, die Androiden - so wur­den anthropomorphe Automaten damals genannt - in dieser Zeit hervorgerufen haben. Musizierende, schreibende und zeichnende gestalthafte Apparate wurden damals von versierten Künstlern und Uhrmachern für alle europäischen Höfe her­gestellt. Diesen dienten sie zur Unterhaltung, Zurschaustellung ihrer Macht, ihres Reichtums und als Beweis der Kunstfertigkeit ihrer handwerklichen Elite. Und diese trieb im Laufe des 18. Jahrhunderts die technische Raffinesse zu bis dahin nicht gekannten Höhepunkten. Bei den von ihnen gefertigten Androiden hob und senkte sich der Brustkorb beim Musizieren, oder es bewegten sich die Lippen oder einzelne Finger, sodass sie in der Lage waren, ihre Instrumente richtig zu bedienen und nicht nur über ein Spielwerk erklingen zu lassen.

Die feinmechanischen Kunstwerke dieser Zeit sind schon sehr oft beschrieben worden. In aller Regel ist das aber entweder jeweils recht isoliert erfolgt, oder - noch viel öfter - im Rahmen von historischen Entwicklungsgeschichten. Dabei wird aber kaum einmal die Frage gestellt, warum ausgerechnet im 18. Jahrhun­dert so viel Fleiß, Kreativität und Geld dafür aufgewendet worden sind, um eine ganze Reihe von weltberühmten Androiden herzustellen.

Die vorliegende Publikation hat sich zum Ziel gesetzt, Aufklärung in diese Frage zu bringen. Mit einer philosophischen Herleitung aus dem 17. Jahrhundert und einem Überblick über die ins 19. Jahrhundert reichenden literarischen Bearbei­tungen des Phänomens hat die Autorin einen klugen Aufbau gewählt.

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