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2020: Band 82 (2020): Mensch & Maschine
Entstehung
Seite
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Alles im Fluss

Mit diesem Aufbau schafft Dirk van Laak einen unterhaltsamen und informativen Überblick über das Thema. Zugleich enthält die Darstellung aber auch einige auffällige Leerstellen. So rückt das gegenwärtige 21. Jahrhundert nicht in den Blick des Historikers, obwohl der Autor einleitend und ausleitend das Smart Phone alsFernbedienung der Netzwerkgesellschaft (S. 7) undvorerst letzte Ausformung derDialektik zwischen der Allmacht des Menschen und seinem Ausgeliefertsein an die Technik (S. 263) würdigt. Dennoch bleibt unklar, ob die Entwicklungen der Gegenwart als eine Art Kulmination der klassischen Ära der Infrastruktur zu verstehen sind oder umgekehrt dasInfrastrukturideal ein Konstrukt der Hochmoderne ist, dasam ehesten in sozialintegrativen Wohl­standsgesellschaften (S. 286) umgesetzt wurde und nunmehr der Vergangen­heit angehört.

Nicht nur diedigitale Revolution weiß van Laak mit seiner Darstellung auffällig wenig zu fassen, auch der Klimawandel und das Anthropozän werden erst spät in einer Art Nachsatz präsentiert. Wenn der Autor argumentiert, dass Infrastruk­turenfür diesen menschengemachten Wandel [...] sicher nicht ursächlich, aber zweifellos notwendig waren, macht er es sich doch ein wenig einfach und ver­zichtet auf eine genauere Betrachtung der wandelnden Konzepte vonUmwelt, die in ihrer baulichen und natürlichen Bedeutung im Denken über Infrastruktur immer zentral standen.

Schließlich finden auch die in den letzten Jahren florierenden(b)order stu­dies kaum einen Niederschlag in van Laaks Gesamtdarstellung. Das liegt auch daran, dass sein Angelpunkt der Nationalstaat westeuropäischer Prägung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist, dessen Inklusionsbemühungen er weit höher bewertet als die auch damals vorhandenen Exklusionsmechanis­men. Rosa Parks und Mahatma Gandhis Erfahrungen mit der Segregation in offen rassistischen Gesellschaften beschreibt er sehr wohl, andere Formen und vor allem auch informelle Ausschlussmechanismen interessieren ihn dagegen kaum. Hier wirkt der Autor bisweilen gar ein wenig saturiert, wenn er erklärt, Distinktionsfragen seien eben ein Dauerthema der Infrastruktur (S. 261). Dass Infrastrukturen soziale Differenz, Klasse, Geschlecht, race und dis/ability her- stellen und damit im wahrsten Sinne des Wortes zementieren, ist diesem Buch nur sehr am Rande zu entnehmen.

Trotz dieser Einschränkungen ist Alles im Fluss eine lesenswerte Überblicks­darstellung zu drei Jahrzehnten Infrastrukturgeschichte, mit der sich der Autor stilistisch und dem auf maßgebliche Arbeiten konzentrierten Literaturapparat ganz bewusst an ein weiteres Publikum wendet. Dass dieLebensadern unse-

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