Heft 
2020: Band 82 (2020): Mensch & Maschine
Entstehung
Seite
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The Whole Picture

rer Gesellschaft eine über die Wissenschaft hinausgehende, breitere Aufmerk­samkeit unbedingt verdienen, beweist die Studie eindrucksvoll.

Anne-Katrin Ebert Wien

Alice Procter:

The Whole Picture - The colonial story of the art in our museums and why we need to talk about it

London: Cassell Verlag 2020, 304 Seiten.

Seit 2017 bietet Alice Procter als freie VermittlerinUncomfortable Art Tours durch britische Museen an, bei denen die Zeit des Kolonialismus und ihre bis heute in den Ausstellungen sichtbaren Auswirkungen im Mittelpunkt stehen. Motiviert durch den großen Erfolg des Vermittlungsprojekts hat Procter nun ein Buch veröffentlicht, in dem sie - ganz im Stil ihrer Touren - komplexe historische Begebenheiten in kurzen, spannenden und leicht verständlichen Geschichten verpackt. Sie selbst bezeichnet das Buch alsintroduction to being a critical museum visitor. Vier große Kapitel, die sich unterschiedlichen Museumsgat­tungen widmen, gliedern das 300 Seiten umfassende Druckwerk:The Palace beschäftigt sich mit Museen wie dem Louvre oder dem Palazzo Vecchio, die auf privaten Sammlungen basieren und erst später öffentlich zugänglich wur­den, wohingegen sichThe Classroom auf Museen konzentriert, die zur Bildung der Bevölkerung geschaffen wurden.The Memorial bezieht sich wenig über­raschend auf Gedenkstätten, während sichThe Playground" Installationen und Performances der letzten 30 Jahre widmet, die heute weit weniger häufig mit Ko­lonialismus in Zusammenhang gebracht werden als die großen und deutlich älte­ren Institutionen. Die getroffene Einteilung der Museen ist zweifelsfrei schlüssig und regt zum Nachdenken über die diversen möglichen Funktionen von Museen an, jedoch spielen sie innerhalb der einzelnen Geschichten kaum eine Rolle, so- dass diese auch in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können. Es sollte indes keinesfalls darauf verzichtet werden, auch die jeweiligen Einleitungen zu den vier Überkapiteln zu lesen, in denen Procter die biografischen Erzählungen in einen größeren Zusammenhang bringt.

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