Wirklichkeit und Illusion
Wilhelm Füßl, Andrea Lucas, Matthias Röschner (Hg.):
Wirklichkeit und Illusion. Dioramen im Deutschen Museum München: Deutsches Museum Verlag 2017, 320 Seiten.
Dioramen ermöglichen Einblicke in Raum und Zeit, sie sind dreidimensionale Momentaufnahmen von Begebenheiten und Funktionszusammenhängen. Gleichzeitig erzählen sie nicht nur die Geschichten des in ihnen Dargestellten, sondern auch ihre eigene, über die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse ihrer Zeit.
Dioramen als spezifische Form der Museumspräsentation haben im Deutschen Museum München eine Tradition, die seit Anbeginn gepflegt wird. Die vorliegende Publikation ermöglicht eine Reise durch die Geschichten der Dioramen und durch die Geschichte des Hauses. Der reich bebilderte Katalog umfasst insgesamt 140 Dioramen, die zwischen 1909 und 2013 entstanden. 81 sind heute noch im Besitz des Deutschen Museums, knapp 60 davon aktuell in Ausstellungen, der Rest im Depot. Das Deutsche Museum befindet sich im Prozess einer umfangreichen Modernisierung und Sanierung, die bis 2028 abgeschlossen sein soll. Viele der nun eingelagerten Dioramen sollen im Zuge der Neuaufstellung wieder aufgebaut werden.
Die relativ enge Definition von „Diorama“, die der Auswahl zugrunde gelegt wurde, orientiert sich an einem Kriterienkatalog aus den Jahren 1925-1928. Hier sind wesentliche Kennzeichen festgehalten, auf die man sich im Deutschen Museum auch heute einigen kann. Zentral sind die schaukastenartige Gestaltung, der abgeschlossene Einblick durch eine Glasscheibe und die Illusion von Tiefe mit Hilfe von dreidimensional gestaltetem Vordergrund und perspektivisch gemaltem Hintergrund.
Das Buch ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit der Mitarbeiterinnen des Deutschen Museums: dem Forschungsinstitut, den wissenschaftlichen Fachabteilungen, dem Archiv, den Bildhauer-, Modellbau- und Malerwerkstätten und dem Fotoatelier. Es gliedert sich in drei Teile - Aufsätze, Katalog und Anhang.
Zur Einführung geben zwei Texte einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung von Dioramen, der von den historischen Diorama-Bauten des frühen 19. Jahrhunderts über die Weltausstellungen bis zu den Museen und zur Etablierung dieser Präsentationsform führt. Frühe visuelle Medien, wie Camera obscu- ra, Laterna Magica, Guckkästen, Praxinoskope oder Kinematoforen als Vorläufer der Museumsdioramen sind in die Betrachtung miteinbezogen. Gemeinsam ist
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