Wirklichkeit und Illusion
ihnen das Spiel mit Wirklichkeit und Illusion. Das titelgebende Spannungsfeld wird in einen größeren Zusammenhang von kunsttheoretischen und philosophischen Überlegungen gestellt zu dem Verhältnis von Nachahmung und Neuschöpfung, Kunst und Wissenschaft, Vorbildtreue und Verfremdung oder Interpretation und Desillusion.
Nach dem Überblick richtet sich der Fokus des Buches auf das Deutsche Museum. Der Gründer Oscar von Miller hatte Reisen unternommen und stand im Austausch mit Museen in Europa, insbesondere Skandinavien, und den USA. Angetan von den Dioramen als didaktisches Medium, wies er ihnen eine zentrale Rolle in der Museumskonzeption und dem Zeigen von Funktion und Verwendungszusammenhang zu. Seine Vorliebe für Krippen findet des Öfteren Erwähnung und dürfte die Affinität zu Dioramen bestärkt haben.
1903 gegründet, standen dem Museum in den ersten Jahren nur provisorische Räume zur Verfügung. Die Platzverhältnisse begrenzten den Einsatz und Bau von großen Dioramen. Im 1925 eröffneten Museumsneubau am heutigen Standort auf der Museumsinsel wurde der benötigte Platz architektonisch mitgeplant und die Dioramen langfristig ins museale Ausstellungskonzept integriert. Damit einher geht die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur mit gut ausgestatteten Werkstätten und hochspezialisierter Handwerkskunst. Die kostspieligen Dioramen wurden seit Beginn von der Industrie mitfinanziert, die auf deren Beliebtheit und deren Unterhaltungswert setzte. In den Jahren 1925-1930, die mit dem Bau des Ausstellungsgebäudes zusammenfallen, gab es einen enormen Anstieg in der Dioramen-Produktion, ebenso in der Zeit des Wiederaufbaus von 1950-1960. In den folgenden Jahren nahm die Produktion stetig ab und erst in den letzten Jahren lässt sich wieder ein Trend zu Dioramen erkennen.
Der reich illustrierte Katalog bildet den Hauptteil, in dem die Dioramen chronologisch nach dem Jahr ihrer Fertigstellung darstellt werden. Der Kopfteil erfasst jeweils schematisch Titel, Jahr, technische Informationen und beteiligte Personen. Der ausführliche Katalogtext beinhaltet die Geschichte der Dioramen, ihre Einbettung in den Ausstellungszusammenhang und die Beschreibung der Objekte. Je nach Materiallage enthalten die Texte Zusatzinformationen zu Intention, Motivwahl, Recherche, Herstellungsprozess, Zusammenarbeit sowie den daraus entstehenden Schwierigkeiten, der Finanzierung und den Geldgeberjnnen. Bei dem Diorama „Warentransport durch Kamelkarawanen im Orient, um 1900“ (fertiggestellt 1911, Diorama nur noch in Teilen vorhanden) war für die Darstellung weniger die zeitgenössische Wirklichkeit als vielmehr die Narration der Ausstellung ausschlaggebend. Aus der Korrespondenz mit dem Deutschen
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