Wirklichkeit und Illusion
Konsulat in Kairo und der Generaldirektion der Anatolischen Eisenbahn geht hervor, dass Lastentransporte mit Kamelen zu der Zeit nicht mehr üblich und weitgehend von der Eisenbahn abgelöst worden waren.
Die Ideologie der NS-Zeit hat den Dioramen ihren Stempel aufgedrückt und lässt die politische Einflussnahme sichtbar werden. Sowohl in den einleitenden Aufsätzen als auch bei den betreffenden Dioramen im Katalogtext wird dies thematisiert. Die Darstellung im Diorama „Hütten der Germanen aus vorgeschichtlicher Zeit“ (fertiggestellt 1929, überarbeitet 1939, Diorama nicht mehr vorhanden) wurde markant verändert: Anstelle der Ausgrabungsfunde diente die Idealisierung der germanischen Kultur als Ausgangspunkt; statt mit Fellen bekleidete Jäger waren sesshafte Bauern zu sehen.
Implizite Aussagen, die dem Zeitgeist entsprechen, lassen sich in dem Diorama „Der Weg des Stroms vom Erzeuger zum Verbraucher, 1953“ (1953) erkennen, aufgestellt in der Abteilung Starkstromtechnik. Gezeigt wird die Erzeugung von Strom durch verschiedene Kraftwerkstypen sowie seine Verteilung und der Transport bis zu den einzelnen Haushalten und Betrieben - die moderne Stromversorgung erreicht die hintersten Winkel der bayrischen Landschaft. In der Texttafel wird angesprochen, dass die konventionelle Stromversorgung den steigenden Energiebedarf bald nicht mehr decken könne. Dem Atomstrom wird der Weg bereitet, der wenige Jahre nach der Entstehung des Dioramas in Bayern erstmals zum Einsatz kam. Die Bayernwerk AG als Stifter ist nicht genannt. Dem Katalogtext ist nicht zu entnehmen, inwieweit die aktuelle Ausstellung die Entstehungszeit und die Finanzierung thematisiert. Dieses Diorama ist eines der größten im Deutschen Museum, von großer Detailgenauigkeit und voller lebensnaher Einzelheiten. Für die Ausgestaltung der Landschaft (Wiesen, Felder, Wälder) wurden in den 1 950er-Jahren nur Naturmaterialien verwendet, insbesondere Alpenazaleen kamen für die Beflockung zum Einsatz. Da diese in Bayern unter Denkmalschutz stehen, wurden sie nach Zustimmung der Tiroler Landesregierung von einem Mitarbeiter in Tirol gesammelt. Für die Ausgestaltung des Vorgängerdioramas „Versorgung mit Elektrizität über Land (Amperwerke)“ (1939, im Zweiten Weltkrieg zerstört) wurde noch beim „Verein zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere“ in München um „etwa einen Rucksack voll“ angefragt. Originalmaterial kam auch bei anderen Dioramen zum Einsatz wie der Meeressand im „Staatlichen Nordseebad Norderney“.
Die liebevoll gestalteten Dioramen haben mehrmals das Motiv für die offiziellen und jährlich neu gestalteten Weihnachtskarten des Museums abgegeben, etwa
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