Wirklichkeit und Illusion
die „Holzschiffswerft, um 1840“ (fertiggestellt 1958), oder das „Drachen-Diorama, um 1980“ (fertiggestellt 1996).
Die Texte geben interessante Einblicke und vermitteln zusammen mit den zahlreichen Abbildungen - Fotos der Dioramen, von Details und dem Aufbau, Vorlagen, historische und zeitgenössische Ansichten - ein detailreiches Bild des Entstehungsprozesses. Ein kleines Manko ist, dass es kaum Ausstellungsansichten gibt, die für eine bessere Einordnung hilfreich wären. Ebenso würde eine systematische Auflistung der Dioramen nach Merkmalen und Kriterien, wie Fachgebiet, Inhalt, Funktion, Maßstab und ähnliches, einen Überblick erleichtern.
Es ist ein Bestandskatalog, der sich vor allem auf die vollständige Katalogisierung, Dokumentation und Sicherung des Archivmaterials konzentriert. Er gibt aber auch einen Ausblick auf die Zukunft der Dioramen im Deutschen Museum, wo mit dem Bau von neuen Dioramen sowie der geplanten Wiederaufstellung nach dem Umbau der Stellenwert deutlich wird, der dieser Präsentationsform zugemessen wird. Der Katalog thematisiert das teilweise problematische Erbe der Dioramen, doch inwieweit dies in den Ausstellungen besprochen und kon- textualisiert wird, geht aus den Texten nur teilweise hervor, wäre aber ein guter Ansatz, um die Geschichte des Hauses für die Museumsbesucherjnnen aufzuarbeiten.
Insgesamt ist der Bildband ein wertvoller Beitrag zur (Wieder-)Entdeckung und Wertschätzung der Dioramen. Er knüpft damit an ein Interesse an, das sich sowohl in anderen Publikationen der letzten Jahre zu dem Thema zeigt, wie auch in der Ausstellung „Diorama. Erfindung einer Illusion“ (Schirn Kunsthalle Frankfurt/ Palais de Tokyo Paris, 2017), die eine große Bandbreite an dioramatischer Inszenierungen und künstlerischer Auseinandersetzungen mit dieser Präsentationsform versammelte.
Es ist ein Buch nicht nur für Liebhaberjnnen von Miniaturen, für Forscherjnnen und Museumsexpertjnnen, sondern für alle, die sich für den Entstehungsprozess von Dioramen und die Geschichten interessieren, die von und in ihnen erzählt werden. Empfehlenswert ist es auch für jene, die sich mit musealen Präsentationsformen in einer zunehmend digitalisierten Welt auseinandersetzen, enthält es doch viele Informationen, Gedanken und Anregungen über das Potenzial von Dioramen.
Nora Pierer Wien
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