Die Hlawatsch-Saga
Ingenieuren und Wissenschaftlern waren wichtige Ausstellungsexponate und sie wurden in didaktischer Absicht gemeinsam mit Artefakten aus den Tätigkeitsfeldern der Dargestellten im Museum präsentiert. Durch die Hängung und Lichtführung wurden die Zusammenhänge verdeutlicht.
Der Katalog ist sehr übersichtlich gestaltet. Darin finden sich detaillierte Bildbeschreibungen, ausführliche Informationen über die dargestellten Persönlichkeiten und die Künstler, den Sammlungszugang sowie die Erörterung jeweils relevanter Aspekte der vorangegangenen Themenblöcke. Sämtliche Archivquellen sind angeführt.
Martina Wetzenkircher Wien
Reinildis van Ditzhuyzen:
Die Hlawatsch-Saga. Drapierte Damen, nackte Herrenbeine und ein Wiener Zinshaus 1800 bis heute.
Horn, Wien: Verlag Berger 2018, 312 Seiten.
Wien und Niederösterreich haben eine lange Tradition der Textilerzeugung. In der ehemaligen Hauptstadt der Habsburgermonarchie arbeiteten viele handwerklich geprägte Betriebe für eine betuchte Kundschaft, die sich teure Waren leisten konnte. Im Umland von Wien wiederum entstanden schon früh große Spinnereien und Webereien, in abgelegenen Regionen wie dem Waldviertel produzierten viele Familien im Auftrag von Wiener Fabrikanten Textilwaren auf heimindustrieller Basis.
Einige Geschichten in diesem Kontext hat die niederländische Historikerin und Publizistin Reinildis van Ditzhuyzen aufgegriffen. Durch persönliche Kontakte erhielt sie Zugang zu einem großen Privatarchiv eines ehemaligen Textilunternehmens, dessen Bestände beachtliche 200 Jahre zurückreichen. Die Bestände, darunter viele Briefe und Fotografien, befinden sich in einem Gebäude in der Wiener Mariahilfer Straße. Auch die Historie dieses prominenten Standorts ist Teil der Erzählung.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1826, als der junge Weber Karl Hlawatsch aus dem österreichisch-schlesischen Herzogtum Teschen nach Wien-Gumpendorf übersiedelte. Hier knüpfte er Beziehungen zum Webwarenfabrikanten Karl Gar-
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