Reboot ING
Corinna Bath, Göde Both, Petra Lucht, Bärbel Mauss, Kerstin Palm (Hg.):
Reboot ING. Handbuch Gender-Lehre in den Ingenieurwissenschaften (= Geschlechter Interferenzen, Band 4).
Berlin, Münster, Wien, Zürich, London: LIT Verlag Dr. W. Hopf 2017, 296 Seiten.
Bereits der Titel des vorliegenden Handbuches verdeutlicht das ehrgeizige Ziel, das die Herausgeberjnnen verfolgen: Es geht um nicht weniger als ein Reboot bzw. einen Neustart der Ingenieurwissenschaften. Ein Neustart wird beim Computer meist dann notwendig, wenn das Betriebssystem aktualisiert bzw. neue Software installiert wurde. Analog hierzu argumentieren Corinna Bath, Göde Both, Petra Lucht, Bärbel Mauss und Kerstin Palm in ihrem Vorwort, dass die Ingenieurwissenschaften dringend ein Update bzw. eine „grundsätzliche Veränderung“ benötigten, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die hier unter den Stichwörtern „Fachkräftemangel, demographischer Wandel und globale Märkte“ zusammengefasst wurden, gewachsen zu sein.
Das Handbuch basiert auf der Tagung „Ingenieurwissenschaften unter Druck - Genderforschung als Innovation“, die am 23. und 24. Januar 2014 an der TU Braunschweig stattfand. Es gliedert sich in drei Abschnitte, einen eher theoretisch orientierten ersten Teil zum Perspektivenwechsel in den Ingenieurwissenschaften, einen praxisorientierten zweiten Teil mit Beispielen von Lehrkonzepten sowie einen dritten Teil, der die Institutionalisierung von Gender-Lehre in MINT-Fächern ebenfalls anhand von Beispielen verschiedener Universitäten diskutiert. Neben der TU Braunschweig ist die Technische Universität Berlin mit ihrem Zentrum für interdiszipliäre Frauen- und Geschlechterforschung und dem Start des Studienprogramms Gender PRO MINT die akademische Heimat des Herausgeberteams. Aus Österreich stammen zwei Beiträge von der Johannes Kepler Universität Linz.
Mit der Implementierung der Gender-Lehre an den Technischen Universitäten verbindet das Herausgeberteam den Anspruch, die Lehre in den Ingenieurwissenschaften zu transformieren. Im Rückgriff auf die seit 40 Jahren existierende Genderforschung zu den MINT-Fächern und in Anlehnung an die aktuellen Überlegungen in den Science and Technology Studies setzt das Handbuch absichtlich nicht bei den Frauen, sondern bei den Inhalten an und will eine gender- bewusste Gestaltung von Technologien erreichen: „Ziel ist es, ein verändertes Wissen und eine veränderte Technik zu produzieren, die so gestaltet werden
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