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1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Jugend und Studien Carl Auers von Welsbach.

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besonders der Physik und der praktischen Arbeit auf diesem Gebiete, dem Bau von Apparaten und dergleichen entgegen. An der Josef Städter Realschule legte Auer 1877 die Reifeprüfung ab. Am 1. Oktober.dieses Jahres trat er den Präsenz­dienst als Einjährig-Freiwilliger beim Festungsartilleriebataillon Nr. 4 an. Bald nach Ablauf dieses Dienstjahres wurde er zum Leutnant in der Reserve im Festungs­artilleriebataillon Nr. 9 ernannt, als der er dann später noch drei Waffenübungen mitmachte. 1

1878 ging Auer an die Universität Wien, um bei Adolf Lieben Chemie fcu studieren. Aber nach zwei Jahren wandte er sich nach Heidelberg, Liebens be­rühmtem Lehrer Robert Wilhelm von Bunsen zu. Hier an der Universität Heidel­berg war er vom Sommersemester 1880 bis einschließlich zum Wintersemester 1881/82 immatrikuliert. Er hörte Vorlesungen über anorganische Experimental­chemie, organische Chemie, theoretische Chemie, Geschichte der Chemie, Physik, Mineralogie, er besuchte ein chemisches und ein mineralogisches Praktikum und bereitete sich auf das lateinische Vorexamen, das der Doktorprüfung vorausging,* vor. Nachdem er dieses Examen bei Wachsmuth abgelegt und die Doktorprüfung bei Bunsen und Kopp in Chemie, Quincke in Physik und Rosenbusch in Mineralogie mit der Note insignis cum laude bestanden hatte, wurde er am 2. Mai 1882 zum Doktor der Philosophie promoviert. Die Abfassung einer Dissertation verlangte Bunsen nicht, der, ein ebenso hervorragender Lehrer wie Naturforscher, sich mit jedem seiner Studenten täglich persönlich beschäftigte und w r ohl deshalb auf diesen sicht­baren Beweis wissenschaftlicher Reife verzichten konnte. Bunsen sagte auch, daß man Chemie nicht aus Büchern, sondern nur im Laboratorium lernen könne und hatte daher auch kein Lehrbuch verfaßt. Auer hatte zum Studium geschriebene Kolleghefte benützt, die ihm* sein Kollege Hans Heger (der spätere Herausgeber der Pharmazeutischen Post in Wien) bei seinem Abgang von der Universität hinter­lassen hatte. Auer erzählte, daß Bunsen ihn nur sehr ungern von Heidelberg ziehen ließ. Er hätte in ihm gerne seinen weiteren Mitarbeiter und nach spä­teren Andeutungen Bunsens zu schließen wohl auch seinen Nachfolger ge­sehen. Aber Auer hatte keine Neigung und vielleicht auch keine Eignung für den Lehrberuf.

In Heidelberg bei Bunsen hat Auer wohl die erste Anregung erhalten, in das I orschungsgebiet einzudringen, dem er sein Leben lang treu blieb, in die Chemie der seltenen Erden. In Heidelberg lernte er auch jene glänzende Analysenmethode gebrauchen, die ihm zum Führer bei all seinen Forschungsarbeiten werden sollte, ( lie Spektroskopie. Bunsen und Kirchhoff hatten sie begründet. Und sein großer Lehrer Bunsen war es auch, von dem die Brennerkonstruktion stammte, die Auer dann zum Heizgerät seines Gasglühlichtes machte. So hat Auer von Welsbach alles das, worauf er sein Lebenswerk auf baute, in Heidelberg empfangen.

1 In der militärischen Beschreibung des Jahres 1885 findet sich die Bemerkung: »»Konstruiert als Chemiker und Elektrotechniker Beleuchtungsapparate für militärische Zwecke und steht dieserhalb mit dem technisch-administrativen Militärkomitee in Ver­bindung. (Schriftliche Mitteilung des Kriegsarchives vom 27. Juli 1928.)