Die Zerlegung des Didyms.
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Metall er Samarium nannte. Nachdem schon im Vorjahre Jean Charles Galissard de Marignac in der alten Erbinerde Mosanders das Oxyd eines heuen Elements, des Ytterbiums gefunden hatte, zeigte Per Teodor Cleve, daß in dem Rückstand der Erbinerde außer dem Erbium noch zwei weitere Elemente vorhanden seien, welche die Namen Thulium und Holmium 1 erhielten. Unabhängig von Cleve hatte übrigens knapp vorher Soret auf Grund spektralanalytischer Untersuchungen in der Erbinerde eine neue Erde angenommen und einzelne Spektrallinien der späteren Elemente Thulium und Holmium gemessen. In dasselbe Jahr, 1879, fällt auch die Entdeckung des Scandiums, 2 welches Lars Fredrik Nilson bei seinen Arbeiten über das Ytterbium als einen Bestandteil der Erbinerde fand. Das Scandium hatte deshalb ( besonderes wissenschaftliches Interesse, weil es eines jener Elemente ist, deren Existenz von Mendelejew auf Grund der Lücken in seinem periodischen System vorausgesagt worden war. Man fand in ihm das MENDELEJEWSche „Ekabor“ mit allen seinen prophezeiten Eigenschaften wieder.
So weit etwa war die Erforschung der seltenen Erden vorgeschritten, als der junge Auer von Welsbach seine Arbeiten begann, die — neben der Entdeckung neuer Elemente — durch eine Tat gekrönt wurden, deren sich kein anderer vor ihm rühmen konnte, durch die Schaffung einer Industrie der seltenen Erden. Auer von Welsbach hat auf die Erforschung der seltenen Erden ihre Verwertung folgen lassen.
IV.
Die Zerlegung des Didyms.
Kiickkelir nach Wien. Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten. Die Zerlegung des Didyms in die neuen Elemente Praseodym und Neodym.
Als Carl Auer von Welsbach nach seiner Promotion im Jahre 1882 von Heidelberg nach Wien zurückgekehrt war, nahm er sich im chemischen Institut des Professors Adolf Lieben in der Währingerstraße zwei Arbeitsplätze und setzte die schon in Heidelberg begonnenen Arbeiten ül^er die seltenen Erden fort. Liebens Assistent wurde er nicht; ebensowenig w r ie er Bunsens Assistent geworden war. Haß er darauf verzichtete, sich nach einer Stellung, einem Erwerb umzusehen, daß er es sich von seiner Mutter ermöglichen ließ, seine Laufbahn als Privatgelehrter zu beginnen, zeigt von einer erstaunlichen Selbstsicherheit des jungen Chemikers, uls hätte.er es vorausgesehen, daß er schon nach wenigen Jahren ein reicher Mann sein werde.
Schon im nächsten Jahre, 1883, konnte Lieben der Akademie der Wissenschaften Auers erste Arbeit vorlegen: „Über die Erden des Gadolinits von Ytterby.“ 3 In dieser Abhandlung werden die Methoden besprochen, die Elemente der seltenen Hrden, deren Verbindungen in dem Mineral im Gemisch vorliegen, in Gruppen zu
1 Thulium ist nach dem alten Lande Thule, Holmium nach der Stadt Stockholm
benannt.
* Scandium ist nach Skandinavien benannt.
3 (I. Mitteilung), Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, Wien, 1883, 88 - Hd., II. Abt., S. 332.
Schichte der Technik, H. 2.
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