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1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Neunter Abschnitt.

Funktion trat eine elektrische Lampe, die sozusagen erst angezündet werden mußte. Dieser große Mangel wurde durch eine Verbesserung der A. E. G., die Nernsts Patente erworben hatte, einigermaßen gemildert, indem man den Glüh­körper mit einem Heizdraht aus Platin umwickelte und damit das Anheizen durch den Betriebsstrom besorgen ließ. Die dadurch nötig gewordenen Hilfsapparaturen (Vorschal twiderstand, automatische Ausschaltung der Heizspirale) stellten freilich gegenüber der Kohlenfadenlampe eine unerwünschte Komplikation dar, die auch das Wegfallen des Vakuums nicht wettmachen konnte. Trotzdem die Nernstlampe einen sehr merkbaren wirtschaftlichen Fortschritt bedeutete sie beanspruchte nur 2 Watt je Hefnerkerze gegenüber 3,5 Watt der Kohlenfadenlampe, wurde ihre Schwäche, daß man nach dem Einschalten immer erst die Anwärmungs­zeit abwarten mußte, ehe die Lampe aufleuchtete, als so große Unbequem­lichkeit empfunden, daß sich diese Lampe beim großen Publikum nie so recht einbürgerte.

So wurden am Ende des neunzehnten Jahrhunderts von der kaum mehr ver­besserungsfähigen Kohlenfadenlampe aus zwei ganz verschiedene Entwicklungswege betreten: Der eine, von Walter Nernst eingeschlagene, ging über die Oxydglüh­körper und versandete bald wieder. Der zweite Weg, der des Metallfadens, führte zur Osmiumlampe und in gerader Linie weiter zur Tantal- und Wolframlampe und damit zu unseren heutigen Beleuchtungsgeräten. Es ist das Verdienst Auers von Welsbach, diesen Weg gewiesen und bis zu seiner ersten, entscheidenden Station selbst durchmessen zu haben.

IX.

Die Osmiumlampe.

Auers Versuche mit Platindrähten und Tlioroxyd. Versuche mit Osmium. Das Legie­rungsverfahren, das Kohleverfahren, das Paste verfahren. Leistung und Erfolge der Osmiumlampe. Weiterentwicklung der Metallfadenlampe.

Der zweifellos imponierendste Zug an dem Bilde Carl Auers von Welsbach als Techniker und Industrieller sowohl wie auch als Mensch kommt in der Tatsache zum Ausdruck, daß er nach dem beispiellosen Erfolg seines Gasglühlichts, ja nach­dem er der Welt überhaupt erst eine wirklich moderne Gasbeleuchtung geschenkt hatte, sich dem natürlichen Konkurrenten dieser Beleuchtungsart, dem elektrischen Licht, zu wandte. Wenn man der aus Berufs- und Fachgründen zwar begreiflichen, oftmals recht parteiischen Einstellung der Gasfachmänner und Elektroingenieure, wie sie in den Publikationen der damaligen Zeit zum Ausdruck kommt, Auers souveräne Betrachtung und alltechnische Gesinnung entgegenhält, so erscheint diese Seite seines Wesens nur um so bewundernswerter. Jeder andere wäre nach einem Erfolg, wie der des Gasgliihlichts es war, ein eingeschworener Gasbeleuchtungs­mann geblieben schon aus beruflichem Egoismus. Auer ging zur elektrischen Lampe über. Die Begründung dafür, die er später einmal schrieb, könnte nicht selbstverständlicher und schlichter klingen:Von Jugend auf mit Versuchen über das elektrische Licht beschäftigt, hatte ich dieses Arbeitsgebiet liebgewonnen, und