Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Zwölfter Abschnitt.

gehalt vor Auer nicht bekannt war, daß somit das Auermetall als eine Pionier­erfindung gelten müsse. In Österreich und in Amerika verloren denn auch die Ein­bringer der Nichtigkeitsklagen ihre Prozesse und die Cereisenpatente blieben hier in vollem Umfang aufrecht.

Wie bei seinen anderen großen Erfindungen, hat sich Auer von Welsbach auch hier, nachdem einmal die neue Industrie geschaffen war, von ihr zurückgezogen, um wieder alle seine Kräfte für seine Forschungstätigkeit frei zu haben. Und auch diesmal hatte er es verstanden, sein Werk in die richtigen Hände zu legen, indem er die Leitung der Treibacher Chemischen Werke seinem Mitarbeiter I)r. Franz Fatting er übertrug.

Einen recht anschaulichen Begriff von der Bedeutung, die das Cereisen als Konkurrent der Zündhölzer erlangte, gibt eine Berechnung F. Fattingers vom Jahre 1929: 1 Die Welterzeugung an Cereisen beträgt etwa 100000 kg. Diese Menge ergibt 500 Millionen Zündsteine, die für 500 Milliarden Zündungen reichen. Dies entspricht rund sechs Milliarden Schachteln Zündhölzer neben einer Welterzeugung von etwa 20 Milliarden Schachteln.

Angesichts dieses ungeheuren Erfolges, der dem Cereisen in der einen Ver­wendung als Feuerzeug beschieden war, ist es wohl zu verschmerzen, daß die anderen Verwendungsmöglichkeiten, an die der Erfinder gedacht hatte, als Signal mittel, Minen- und Motorzündung nicht Wirklichkeit wurden.

XII.

Die Zerlegung des Ytterbiums. Die späteren wissenschaftlichen Arbeiten.

Auers Ytterbiumzerlegung und-der Prioritätsstreit mit Urbain. Die Forschungen über Thulium und das Fdement Xr. 61. Auers radioaktive Präparate. Spektroskopische

Arbeiten.

Als ich vor mehr als zwei Jahrzehnten, so schrieb Auer im April 1906, meine Untersuchungen über die Erden des Gadolinits von Ytterby unterbrach, hatte ich die Überzeugung gewonnen, daß eine endgültige Erforschung der Erden der Yttergruppe nur durch groß angelegte Arbeiten zu erzielen sei.

Von den Erfolgen meiner Bemühungen auf technischem Gebiet erhoffte ich die Förderung dieses Teiles der chemischen Forschung. Tatsächlich strömte auch in einer von Jahr zu Jahr sich steigernden Menge das wertvollste Rohmaterial auf den Markt. Die wissenschaftlichen Errungenschaften aber hielten mit diesem Segen nicht gleichen Schritt. Obzwar sich viele Chemiker der Erforschung dieser Gebiete zuwandten, blieben umfassende und grundlegende Arbeiten dennoch selten.

So entschloß ich mich denn vor etwa sechs Jahren, mit genügenden Hilfsmitteln ausgerüstet, die Untersuchungen über die Erden der Yttergruppe wieder auf­zunehmen. 2

1 Österr. Chem. Ztg. 32 (1929), S. 145.

* Über die Elemente der Yttergruppe (I. Teil). Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 115 (1906), Abt. II b, S. 737.