Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
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Dritter Abschnitt.

Die seltenen Erden.

Der chemische Begriff Erde früher und heute. Die Erforschung der Erdarten. Das Aluminium. Die Entdeckungsgeschiclite der seltenen Erden bis zu Auer von Wels rach.

Das Wort Erde hat außer seiner gewöhnlichen Bedeutung als der dunklen, pflanzennährenden Bodensubstanz, außer seinem physikalisch-astronomischen und seinem theologischen noch einen speziellen chemischen Sinn angenommen. Als Erden bezeichnet man die Oxyde bestimmter Metalle, deren verbreitetster, be­kanntester und wichtigster Vertreter das Aluminium mit seinem Oxyde, der Ton- erde, ist. Irden, althochdeutschirdin, heißt tönern, Irdenware ist aus Lehm gebranntes Geschirr.

Im Altertum hatte der chemische Ausdruck Erde einen weiteren Sinn. Die Bezeichnungterra mit einem charakterisierenden Beiwort gebrauchten die Römer für verschiedene erdartige Substanzen, vornehmlich solche, die eine auf­fallende Färbung hatten und als Malerfarbeh benützt wurden. Noch heute werden Bezeichnungen, wiegrüne Erde,Veroneser Erde,Terra di Siena allgemein gebraucht und die natürlichen Mineralfarben, zum Unterschied von den chemisch gewonnenen, dieErdfarben genannt.

Von einer Erörterung der Bedeutungen, welche die Alchemisten dem Wort Krde gaben, soll hier abgesehen werden. Die Hauptvertreter der phlogistischen Chemie, Becher und Stahl, nahmen eine Primitiverde an, die, wie sie meinten, allen Erdarten gemeinsam sei und die alsverglasbare Erde in der Kieselerde in reinster Form vorliege. Aber mit der zunehmenden Möglichkeit chemischer Charakterisierung lernte man die bekannten Erden exakter voneinander unter­scheiden und neue kennen. Kalkerde und Kieselerde waren ja schon frühzeitig voneinander unterschieden worden. 1754 beschrieb Marggraf als vom Kalk ver­schieden die Alaunerde (= Tonerde). Im nächsten Jahre wies Black (ebenso 1760 Marggraf) auf die Eigentümlichkeit der Bittererde (= Magnesia) hin. 1774 fand Scheele die Schwererde (= Baryterde). 1782 konnte Bergman in seiner Scia- graphia als einfache Erdarten die Schwererde, Bittererde, Kalkerde, Tonerde und Kieselerde unterscheiden, zu denen später die 1789 von Klaproth entdeckte Zirkon­erde, die 1792 von Hope und im nächsten Jahre von Klaproth aufgefundene Strontianerde und 1797 Vauquelins Beryllerde kamen.

Das eigentliche Wesen dieser Erden aber wurde erst klar, als es im Jahre 1808 dem Engländer Humphry Davy gelang, aus vier solchen Erdarten auf elektro­lytischem Wege vier neue metallische Elemente, das Calcium, Barium, Strontium und Magnesium zu erhalten, womit jene Erden als die Oxyde dieser vier Metalle erkannt waren. 1 Schon damals konnte vermutet werden, daß ähnlich auch hinter der Tonerde ein Metall zu suchen sei. Tatsächlich konnte neunzehn Jahre später (1827) der deutsche Chemiker Friedrich Wöhler aus der von Oersted im selben Jahre zum erstenmal hergestellten Chlorverbindung der Tonerde ein silberweißes

1 Heute zählt man diese Elemente und das Beryllium wegen einer gewissen chemi­schen Ähnlichkeit mit den Alkalimetallen einer zwischen diesen und den Erdmetallen liegenden Gruppe derErdalkalimetalle zu.