Die seltenen Erden.
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Metall gewinnen, das Aluminium. Der Name kommt von alumen, womit die Römer den Alaun, die älteste künstliche Tonerde Verbindung, bezeichneten. Das neue Metall, von Wöhler nur in ganz geringen Mengen hergestellt, wurde 1854 von Henri Sainte-Claire-Deville durch Reduktion des Minerals Kryolith mit Natrium zuerst in kompakten Stücken erzeugt. Seine elektrolytische Gewinnung aus geschmolzenem Aluminium-Natriumchlorid geht auf Bunsen (1855), die aus Tonerde auf Charles M. Hall (1886) zurück.
Aus Kieselerde hatte schon 1810 Berzelius durch Glühen mit Eisen und Kohle das Kieselelement, wenn auch in unreinem Zustand, gewinnen können. 1823 erhielt er aus Kieselfluorkalium das reine Silicium. Aus der analogen Zirkonverbindung isolierte er im nächsten Jahre elementares Zirkon. 1828 fanden Wöhler und Bussy durch Reduktion des Chlorids das Metall Beryllium. So waren alle diese mit dem Ausdruck Erden bezeichneten Stoffe als Oxyde von Metallen oder metall- ähnlichen Elementen erkannt.
Aber schon um die Wende des achtzehnten zum neunzehnten Jahrhundert hatte man weitere Erden aufgefunden, die sich schon dadurch von den meisten der früher genannten unterschieden, daß sie wesentlich seltener waren als sie, insbesondere als die Verbindungen des Aluminiums, das ja zu den verbreitetsten Elementen gehört und über 7 Hundertteile der uns bekannten Erdrinde ausmacht. Diese Elemente nennt man die seltenen Erden.
Im Jahre 1788 wurde man durch einen Bergmeister namens Geyer auf ein in Ytterby bei Stockholm vorkommendes pechschwarzes Mineral von fettartigem Glasglanz aufmerksam, das 1794 durch Johann Gadolin, Professor in Abo, näher untersucht wurde. Gadolin fand in dem anfangs Ytterbit, später nach ihm Gado- Iinit genannten Mineral eine unbekannte Erde, deren Existenz drei Jahre später von Ekeberg in Upsala bestätigt wurde. Ekebero nannte sie Yttererde. Als sich der Berliner Chemiker Klaproth mit dieser neuen Erde beschäftigte, erwies sich, daß sie zusammengesetzter Natur sei. Als der eine Bestandteil wurde die damals schon bekannte Beryllerde festgestellt, für den zweiten, weiterhin neuen, behielt man den Namen Yttererde bei.
Im Jahre 1803 fanden Klaproth und, unabhängig von ihm, der junge schwedische Forscher Berzelius und sein Mitarbeiter Hisinger in einem Mineral, das aus der verlassenen Eisenerzgrube Bastnäs bei Riddarhyttan in Westmanland, Schweden, stammte, eine weitere neue Erdart. Klaproth nannte sie, da sie beim Erhitzen gelb würde, Ochroiterde, 1 die beiden Schweden indessen gaben dem in dieser Erde zu vermutenden Metall den Namen Cerium, nach dem nicht lange vorher entdeckten Kleinplaneten Ceres. 2
Eine dritte neue Erde stellte Berzelius 1828 in einem bei Brevig in Norwegen vorkommenden Mineral fest. Schon im nächsten Jahre glückte es ihm, aus ihrer Ik)ppelfluoridverbindung durch Reduktion mit Kalium das Metall selbst, wenn
1 ochros = gelb (vgl. „Ocker“).
2 Der zwischen der Jupiter- und Marsbahn kreisende Planet Ceres war am 1. Jän- ner 1801 von Giuseppe Piazzi entdeckt, aber schon von Johannes Kepler 1596 in R einem „Mysterium cosmographicum“ vermutet worden: „Inter Jovem et Martern planetam interposui.“