Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Achter Abschnitt.

VIII.

Metallfadenlampen vor Auer.

Groves Versuch. Lampen mit Platin- und Iridiumdrähten. Versuche zur Verbesserung der Kohlenfadenlampe. Die NERNST-Lampe.

Die Geschichte der elektrischen Glühlampe läßt erkennen, daß man bei der Wahl der Leuchtkörper vielfach zu den gleichen Stoffen griff wie beim gasbeheizten Inkandeszenzlicht: zu Metallen und zu Oxyden. Dazu kommt beim elektrischen Glühlicht noch die Kohle, das Material der ersten erfolgreichen Glühlampen. Aber auch für diesen Stoff, der doch wegen seiner Verbrennbarkeit für das Gasglühlicht ausscheiden sollte, finden sich dort wenigstens andeutungsweise Verwendungs­bestrebungen : das Bedecken anderer Leuchtkörper mit Kohlepulver, um ihre Leucht­kraft zu erhöhen. 1 Auch die immer wiederkehrenden Versuche, verschiedene Materialien miteinander zu kombinieren und damit auch ihre Vorzüge zu vereinen, hat die Entwicklung der Glühlampe mit der des Gasglühlichts gemein.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beobachteten sowohl der Franzose Louis Jacques Thenard als auch der Engländer Humphry Davy, daß Metalldrähte durch den elektrischen Strom bis zum Glühen erhitzt werden können. In den dreißiger Jahren wurde von dem belgischen Professor Jobard der Vorschlag gemacht, diese damals also schon seit dreiundeinhalb Jahrzehnten bekannte Erscheinung zur Grundlage eines Beleuchtungssystems zu machen und als Leuchtkörper für ein derartiges Gerät Kohlestäbchen im luftverdünnten oder luftleeren Raum an- zu wenden.

Im Jahre 1840 baute sich der englische Physiker William Robert Grove eine elektrische Lampe, bei der eine dünne Platindrahtspirale, an starke kupferne Stromzuführungsdrähte angeschlossen, unter einem gasgefüllten und durch eine Wassertasse abgedichteten Glasbecher zum Glühen gebracht wurde. Als Gas­füllungen verwendete Grove Stickstoff, Wasserstoff und Kohlensäure, als Strom­quelle diente ihm eine Reihe hintereinander geschalteter Elemente. Dieser Versuchs­apparat konnte einige Stunden lang in Betrieb erhalten werden. Er kann als der erste Vorläufer der Metallfadenlampe gelten. Eine bereits als technisches Gerät gedachte Konstruktion, die freilich etwas absonderlicher Art war, wurde schon im nächsten Jahre von Frederic de Moleyns in Cheltenham geschaffen. Dieser Erfinder ließ, um die Leuchtkraft zu erhöhen, aus einem kleinen Vorratsbehälter Kohlepulver über eine glühende Drahtspirale rieseln, wobei allerdings auch das Lampengefäß geschwärzt und der Platindraht angegriffen wurde. Nachdem in den Jahren 1844 bis 1846 mehrere Erfinder, wie King, de Changy, Starr, Staite, Greener an verschiedenen Konstruktionen den JoBARDschen Gedanken der Kohlestablampe abgewandelt hatten, soll um 1846 der Deutschamerikaner Hein­rich Goebel in New York die ersten brauchbaren Kohlenfadenlampen gebaut haben, evakuierte Glasfläschchen mit einem Leuchtfaden aus verkohlter Bambus­faser, der an die Stromzuführungsdrähte mit einem eigenen Kitt leitend ange­schlossen war. Die Erfindung Goebels wurde erst 1893 anläßlich eines Prozesses

1 Vgl. die Konstruktion Kiiotinskys, S. 27.