Metallfadenlampen vor Auer.
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wieder ans Licht gezogen, wobei auch einige der GoEBELschen Lampen aufgetrieben und gezeigt wurden. Daß diese Lampen tatsächlich aus so früher Zeit stammen, ist jedoch nicht unwidersprochen geblieben. Während man auf der einen Seite in Goebel den eigentlichen Erfinder der Kohlenfadenlampe sieht, vermutet Anton Lederer in den GoEBELschen Lampen eine viel spätere bedeutungslose Konstruktion, die von dem einen der Prozeßgegner zu einem Patentumgehungsmanöver ausgenützt wurde. 1 Der Fall Goebel muß wohl als eine bisher noch nicht geklärte Streitfrage betrachtet werden.
Das Metall Platin, nach dem so viele Glühlampenerfinder, besonders bei ihren ersten Konstruktionen, griffen, hat die Schwäche, daß sein Schmelzpunkt zu niedrig, etwa bei 1760° liegt, eine Temperatur, der man bei voller Leuchtkraft des Drahtes bereits nahekommt. Staite und Petrie schlugen deshalb in den Jahren 1848 und 1849 vor, das Metall Iridium, das erst bei etwa 2200° schmilzt, anstatt des Platins zu verwenden. Staite gelang es auch, dieses spröde Metall durch andauerndes Walzen und Hämmern bei Weißglut in einen für die mechanische Formgebung genügend duktilen Zustand zu bringen. Diese Bearbeitungsmöglichkeit des Iridiums hatte jedoch ebensowenig die Konstruktion einer brauchbaren Metallfadenlampe zur Folge, wie die von de Changy zehn Jahre später gemachte Beobachtung, daß Platinfäden die hohe Erhitzung etw r as besser aushalten, wenn man sie während des Evakuierens langsam anheizt und damit gründlich von adsorbierten Gasresten befreit.
An Einfachheit nicht zu überbieten ist Chauvins Versuch einer Metallfadenlampe vom Jahre 1875. Dieser Erfinder brachte eine Platindrahtspirale in einem Glasballon unter und verschloß den Ballonhals durch einen Kautschukstopfen, den die Zuführungsdrähte durchbohrten.
Bald darnach begann sich Thomas Alva Edison mit der Konstruktion einer elektrischen Glühlampe zu beschäftigen. Es sei nebenbei bemerkt, daß um diese ^eit eine Erfindung auftauchte, die zur Popularisierung des Gedankens der elektrischen Beleuchtung nicht unwesentlich beitrug: die jABLOCHKOFFsche Kerze. Diese sehr sinnreich veränderte Bogenlampe gelangte zu einer gewissen Verbreitung.
Edison griff das Problem der elektrischen Beleuchtung zunächst von der Seite der Metalldrahtlampe an. Seine erste Platindrahtlampe war nicht viel vollkommener als die vorhin genannte Konstruktion Chauvins. Die Zuleitungsdrähte gingen durch einen Gipszylinder, der die evakuierte Glaskugel abschloß. Aber bald machte auch Edison die Erfahrung seiner Vorgänger, daß der Platinfaden allzuleicht abschmolz. So griff er zu Kombinationen von Platin mit Oxydglühkörpern. Indem er einen über 9 m langen Platindraht um einen Kalkzylinder wickelte, erhielt er einen Glühkörper mit einem Widerstand von — heiß gemessen — 750 Ohm. Diese drahtumwundenen Zylinder und Stäbchen aus feuerfesten Massen können als ^ orläufer der späteren Nernstlampe gelten. Auch eine andere Möglichkeit der Vereinigung von Metallfäden mit Erden versuchte Edison: er überzog Platindrähte mit feuerfesten Oxyden, wie Kalk, Magnesia, Zirkonoxyd, Ceroxyd, ja sogar
1 Über die Gründe, die hierfür sprechen, vgl. Anton Lederer, Die Glühlampe. liRtoriscli-kritisclie Notizen, „Die Lichttechnik“, Beilage zu „Elektrotechnik und •'lasehinenbau“, Wien 1925.