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Achter Abschnitt.
mit Kohle. Er formte auch Glühkörper aus Mischungen von fein verteiltem Platin mit Zirkonerde, er zog Platin-Iridium-Legierungen in den Kreis seiner Versuche und erdachte sinnreiche Reglervorrichtungen, die eine Überhitzung und damit das Durch brennen der Platindrähte in den Lampen automatisch verhüten sollten.
Schon diese flüchtigen Andeutungen zeigen, daß Edison, wenn er sich auch nicht allzulange mit der Metallfadenlampe beschäftigte, dies doch recht eingehend tat, ja, daß er kaum einen Weg unbetreten ließ, der die Materialschwierigkeiten der Metalldrahtlampe etwa hätte umgehen können. Erst als alle diese Versuche keine befriedigenden Konstruktionen ergaben, wandte er ihnen entschlossen den Rücken und ging zur Kohlenfadenlampe über. Daß er hier in der verkohlten Bambusfaser das Material der technisch brauchbaren Glühlampe fand und daß er auf dieser Grundlage die Industrie der Glühlampe schuf, ist bekannt.
Gleichzeitig mit Edison bemühten sich auch andere Konstrukteure um die Metalldrahtlampe. So nahm der Erfinder des bekannten Schnellfeuergeschützes Hiram St. Maxim ein Patent auf eine Platindrahtlampe mit Wärmeregulator, während St. George Lane Fox eine ebenfalls mit Platindraht ausgestattete Vakuumglühlampe baute, wobei er jedoch angab, daß anstatt des Vakuums auch eine Stickstoffüllung geeignet sei, die Zerstäubung des Leuchtdrahts zu verhüten. Beide Erfinder gingen übrigens, gleich Edison, wenige Jahre später zur Kohlenfadenlampe über. Auch ein Patent 1 verdient genannt zu werden, in welchem T. N. Aronson und H. B. Farmie die Verwendung von Osmium für die Glühkörper elektrischer Vakuumlampen vorschlugen. Freilich knüpften sich keinerlei praktische Folgen an diese Anregung.
Edison hatte in seiner Kohlenfadenlampe die erste erfolgreiche Glühlampe in die Welt gesetzt. Es soll hier nicht untersucht werden, welche der Konstruktionen, die andere knapp vor ihm oder gleichzeitig mit ihm schufen, etwa auch die technische Eignung für eine weitere Verbreitung gehabt hätte . 2 Tatsache ist, daß Edison es nicht nur verstand, seiner Konstruktion die Voraussetzungen hierzu zu geben, sondern auch eine Industrie der Glühlampe zu begründen und die Ausbreitung der elektrischen Beleuchtung über die ganze Welt einzuleiten. Diesem allgemein sichtbaren Erfolg der Kohlenfadenlampe ist es wohl zuzuschreiben, daß in den folgenden Jahren der Metallfadenlampe so gut wie keine Bemühungen mehr zugewendet wurden. Das Streben aller der Erfinder, die sich eine \ erbesserung der Glühlampe angelegen sein ließen, ging vielmehr vor allem dahin, organische Stoffe ausfindig zu machen, die in verkohltem Zustand einen noch vollkommeneren Leuchtfaden abgaben als die EmsoNsche Bambusfaser. Edison selbst hatte ja, vom Papier ausgehend, lange gesucht, ehe er auf dieses Material verfallen war. Wurden zunächst andere natürliche Fasern, von Holz oder Gräsern aller Art, ja sogar Menschenhaare zur Gewinnung besserer Kohlenfäden erprobt, so ging man bald mehr und mehr zur Herstellung synthetischer Leuchtfäden über. Die Verfahren bestanden darin, aus einer geeigneten plastischen Masse organischer Natur
1 Brit. Pat. 4163 v. 18. Okt. 1878.
2 Auch auf eine Besprechung der verdienstvollen Arbeiten anderer Erfinder von Kohlenfadenlampen, wie Sawyer und Man und hauptsächlich Swan muß lüer verzichtet werden.