Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod.

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und enthält einige Abbildungen der AuERschen Apparaturen . 1 Ein größeres Werk über Spektroskopie hat Auer, ebenso wie manche andere Abhandlung, die er vor­hatte, nicht geschrieben. Seine Schriften erscheinen, an ihrem Umfang gemessen, ja überhaupt äußerst bescheiden, verglichen mit seinem riesenhaften Lebenswerk. Und ebenso wie er selber nicht viel schrieb, benützte er die Schriften anderer kaum bei seinen Arbeiten. Ja selbst in geschäftlichen Dingen vermied er, wo es ging, das Schreiben und bediente sich des Telegraphen ein Mann der Tat, der Worte nicht liebte.

XIII.

Auers Persönlichkeit, sein Lebensabend und Tod.

Auer und Edison. Auer als Naturforscher. Persönliches. Auers Tod. Ehrungen

durch die Mit- und Nachwelt.

Wenngleich die Werke der Naturforscher und Techniker, ungleich denen der Künstler, in ihrer Sachlichkeit unpersönlich erscheinen, so haftet doch der Art, wie sie entstanden sind, oft individuelle Eigenart, persönlicher Stil an. Auer von Welsbach ist dafür ein Beispiel, insbesondere, wenn man ihn mit anderen ver­gleicht.

Man hat Auer von Welsbach gelegentlich denösterreichischen Edison genannt. Abgesehen davon, daß keiner der beiden kongenialen Männer es nötig hat, vom anderen den berühmten Namen zu leihen, kann dieser etwas journalistische Vergleich wohl nur auf die äußere Tatsache bezogen werden, daß beide sich ein­gehend mit Problemen des künstlichen Lichts beschäftigten. Im übrigen lassen sich kaum zwei Erfinderpersönlichkeiten von größerer Verschiedenheit denken. Schon im Werdegang der beiden Männer kommt dies zum Ausdruck. Welcher Unter­schied zwischen dem amerikanischen Zeitungsjungen, der sich all sein Wissen nebenher zusämmentrug, und dem österreichischen Hofratssohn, der ein geregeltes Universitätsstudium absolvierte, zwischen dem Amerikaner, der bald nach diesem, bald nach jenem Problem griff, der erfand, wo es etwas zu erfinden gab, und dem Österreicher, der sich von Anfang an auf ein Spezialgebiet allerdings das schwerste der damaligen Chemie konzentrierte, dieses aber dann während eines Menschen­lebens bis auf den Grund durchforschte und technisch ausschöpfte. Denn das Ver­wendungsgebiet der seltenen Erden hat seit Auer keine nennenswerte Erweiterung mehr gefunden. Ist man geneigt, bei den meisten Erfindungen Edisons den Erfolg nicht allein einer gesunden Idee zuzuschreiben, sondern vor allem auch einem ans Wunderbare grenzenden Aufwand an Logik, Systematik und Geduld, der geradezu auf den richtigen Weg führen mußte, so scheint bei Auer oft ein eigentümlicher instinktmäßiger Spürsinn zu walten, der, möglicherweise an der Eigenart seiner chemischen Arbeiten, den endlosen Trennungsreihen geschärft, auch den Erfinder den richtigen Weg intuitiv erfühlen ließ. Es ist bekannt, daß Edison das Material für den Kohlenfaden seiner Lampe, die verkohlte Bambusfaser, dadurch fand, daß er eben alle Substanzen, deren er habhaft werden konnte, für seinen Zweck erprobte.

1 Spektroskopische Methoden der analytischen Chemie. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 131 (1922), Abt. IIb, S. 339.