Der Thor-Cer-Glühkörper.
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eine eigene Fabrik bei Philadelphia errichtet hatte. Auers Kompagnon, Fred Williams de Lafontaine, ein Engländer, der früher in Indien gedient hatte, war es übrigens gewesen, der, um die englischen Kapitalisten für die Erfindung zu interessieren, einen der zerbrechlichen Glühstrümpfe in der Hand von Wien nach London gebracht hatte. Die Fabrikation der Leuchtstrümpfe geschah im Inland <|urch Lindheim & Co. in Wien, in Deutschland durch J. Pintsch. In Österreich- Ungarn waren etwa 50000 Brenner eingerichtet worden.
Hatte die Glühlichtindustrie einen hoffnungsvollen Anfang genommen, so kam nun eine Zeit, da die Geschäfte immer schlechter gingen. Die neue Beleuchtungsart hatte doch noch verschiedene Mängel, deretwegen sie das Publikum vielfach ablehnte. Neben der leichten Zerbrechlichkeit der Leuchtkörper war es vor allem ihr noch immer ungewohntes, kalt-grünliches Licht, das die Leute beanstandeten, insbesondere wohl auch, weil es die Gesichtsfarbe der Damen unvorteilhaft veränderte. ,,Das Gasglühlicht kam ins Stocken“, so erzählt Auer , 1 „allmählich bereitete sich eine Art Stagnation vor, die ursprünglichen Zweifler wurden wieder laut. Für mich kam eine sehr böse Zeit. Denn die in ihren Hoffnungen getäuschten Kapitalisten fingen an, ungehalten zu werden, und statt mir Zeit und Muße zur Arbeit zu lassen, drohte man mir mit Prozessen. Die Fabrik, die einige Jahre früher errichtet worden war, ... kam außer Betrieb, das Heer der Chemiker verlief sich nach allen Weltgegenden. Schließlich erwarb ich die Fabrik selbst und war zuletzt deren einziger Chemiker.“ Damit endete die erste Periode des Gasglühlichts.
VII.
Der Thor-Cer-Glühkörper.
Frühere Versuche mit Thor. IIaitingers Chrom-Tonerde-Glühkörper. Auers Thor- Cer-Glühkörper. Beschaffung der Rohstoffe. Leistung und Erfolge des neuen Glühlichts. Der Patentstreit in Deutschland. Weiterentwicklung des Gasglühlichts.
Schon zu der Zeit, als Auer seinen Lanthan-Zirkon-Leuchtkörper herausbrachte, hatte er sich auch mit Versuchen über thoriumhältige Glühkörper beschäftigt. In einem am 22. Jänner 1886 angemeldeten Patent schreibt er von der Thorerde: „Sie besitzt von allen in der Flamme weiß leuchtenden Oxyden, welche die Chemie heute kennt, das größte Emissionsvermögen.“ Er gibt sodann Zusammensetzungen von Glühkörpern aus den Oxyden von Thor, Lanthan, Zirkon und noch anderen Erden an. 2
Als im Jahre 1889 die Fabrik in Atzgersdorf geschlossen werden mußte, wurde auch Ludwig Haitinger entlassen und stellenlos. Haitinger war damals damit
hat das Auerlicht in den angelsächsischen Ländern den Namen „Welsbach-light“ behalten.
1 Journ. f. Gasbel. u. W., 1901, 44. .Jahrg., S. 663.
2 Diese Patentanmeldung enthält auch die auf S. 30 und 31 wiedergegebenen Zeichnungen über den Bau der Brenner und die Anordnung der Mäntel. — Eine weitere Patentanmeldung vom 4. Jänner 1887 betrifft die Erneuerung ausgebrannter Mäntel durch Überziehen mit Glühsubstanz.
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