Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen

34

Sechster Abschnitt.

mentalvortrag, in welchem Auer am 9. April 1886 sein Gasglühlicht im Nieder­österreichischen Gewerbeverein bekannt machte, teilte er über die Leistung seines Beleuchtungssystems mit, daß, während eine gewöhnliche Straßen-Schmetterlings­flamme bei einem stündlichen Gasverbrauch von 142 1 eine Lichtstärke von etwa 12 Kerzen liefere, in einem Glühlichtbrenner mit 65 1 Gas 17 bis 25 Kerzen zu

erzielen seien, was eine Ersparnis von 60 bis 70% bedeute. 1

Die Fabrikation der Impräg­nierflüssigkeit, des sogenannten Fluids, wurde zuerst in zwei Kellerräumen des chemischen In­stituts durchgeführt. Hierbei wurde Auer von einem Assistenten des Instituts, Ludwig Haitinger , 2 un­terstützt, der später einer seiner verdienstvollsten Mitarbeiter wurde. Dann erwarb Auer das Haus Theresianumgasse 25, in dem er mit seiner Mutter wohnte, und verlegte die Fabrikation dorthin. Im Sommer 1887 kaufte er dann die Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präpa­rate Würth & Co. in Atzgersdorf bei Wien, die er für die Aufar­beitung der Erden und die Fluid­herstellung einrichtete und mit deren Leitung er Haitinger betraute. Man hatte diese Fabrikation einer eige­nen Firma, Welsbach & Williams, 3 übertragen, die von Atzgersdorf aus auch das Ausland belieferte, ausgenommen Amerika, wo die dortige Gasglühlicht-Gesellschaft unter der Anleitung Haitingers

Abb. 15. Bildnis Dr. Carl Auers von Welsbach auf der Titelseite von .Illustriertes Osterr. Journal" vom 20. Februar 1886.

1 Wochenschr. d. Nied.-öst. Gew.-Vereines, 1886, 47. Jahrg., S. 493.

2 Ludwig Camillo Haitinger, geb. 23. Oktober 1860 in Wien, war nach dem Be­such einer Privatschule schon als Vierzehnjähriger im 2. chemischen Universitäts­laboratorium unter Schneider und A. Lieben tätig. Mit 18 Jahren, ein Jahr vor der Ablegung der Realscliulmatura, veröffentlichte er eine Arbeit über Xitrobutylen. In der nächsten Zeit war er Assistent an dem genannten Institut, später Leiter der Fabrik von Welsbach & Williams und ab 1892 technischer Direktor der Österreichischen Gas­glühlicht A.-G. in Atzgersdorf bei Wien.

Haitinger hat rund zwei Dutzend z. T. sehr bedeutende Publikationen veröffent­licht. So klärte er die Konstitution der Clielidonsäure und des Pyrons auf und be­obachtete, daß das Oxypyridin nach zwei ganz verschiedenen Konstitutionsformeln reagieren könne, eine Erscheinung, die man später Tautomerie nannte. Auf dem Ge­biete der anorganischen Chemie sind neben Arbeiten über die seltenen Erden, welches Gebiet er übrigens auch in Dämmers Handbuch behandelte, vor allem seine Verdienste um die Radium- und Mesothoriumgewinnung hervorzuheben.

3Welsbach ist für den Engländer leichter auszusprechen alsAuer. Seither