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Sechster Abschnitt.
Das Problem des Gasglühlichts bestand, wie in dieser Darstellung zu zeigen versucht wurde, seit etwa 60 Jahren vor Auers Erfindung. Aber es bestt d als ein ungelöstes Problem. Sauerstoff und Gebläse kamen für die allgemeine Anwendung zu teuer. Auch die bisherigen Konstruktionen auf der Basis des Bunsenbrenners waren zu kompliziert gewesen. Die Leuchtkörper aus Platinmetallen waren viel zu kostspielig, die aus Oxyden zu zerbrechlich und der einzige, der dem Auerstrumpf, äußerlich betrachtet, einigermaßen näher kam, der Frankenstein sehe Körper, obendrein lichtschwach. Ja, an der Verbreitung des DRUMMONDschen Kalklichts als der ersten Inkandeszenzleuchte gemessen, erscheinen die Erfolge der späteren Erfindungen sogar recht beschämend und man hat den Eindruck, als habe hier nicht eine Entwicklung, sondern nur eine Häufung von Konstruktionen stattgefunden. Denn keines all dieser Systeme brachte es zu mehr als bestenfalls einige Jahre lang tätigen Anlagen von lokaler Bedeutung oder zu Beleuchtungsgeräten für Spezialzwecke, keines ist beibehalten, nennenswert verbessert, weiterentwickelt und verbreitet worden., Sie verschwanden, wie sie gekommen waren und manche „Erfindung“ auf diesem Gebiet wurde erst bekannt, als man sie exhumierte, um sie gegen Auers Glühlicht auszuspielen.
Auer von Welsbach hat das Problem des Inkandeszenzlichts restlos gelöst. Er hat damit einen Umsturz in der Gasbeleuchtungstechnik der ganzen Welt herbeigeführt. Daß aber auch seine Lösung, wie alle großen Erfindungen, nicht das Ergebnis eines glänzenden Einfalles, sondern konsequenter und beharrlicher Arbeit war, zeigt schon die Tatsache, daß er die Erfindung sozusagen in zwei Etappen machte. Denn seine erste Lösung, der Lanthan-Zirkon-Glühkörper, war nur ein halber Erfolg.
VI.
Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper.
Auers erste (rlühlichtversuehe. Glühkörper mit Lanthanoxyd und Magnesia. Ger Lanthan-Zirkon-Glühkörper. Einführung des Gasglühlichtes. Pressestimmen. Ger
Küekschlag.
Auf den (tedanken, Verbindungen der seltenen Erden zur Herstellung von Leucht körpern für ein Gas-Inkandeszenzlicht zu verwenden, kam Auer von Welsbach nach seinem eigenen Zeugnis dadurch, daß er, an der Untersuchung der Flammenspektren solcher Erden interessiert, ein Verfahren suchte, diese Spektren möglichst lichtstark zu erhalten. Die einfache Methode, eine kleine Menge der Substanz am Platindraht zu einer Perle zu schmelzen und deren Glühen durch das Spektroskop zu betrachten, ergab recht lichtschwache Spektren. „So legte ich mir denn die Präge vor, sagte er später in einem Vortrag, 1 „wie man die Erden in der P lamme zweckmäßiger anordnen könne, damit die Lichtwirkung eine intensivere
1 „Zur Geschichte der Erfindung des Gasglühlichtes.“ Vortrag, gehalten auf der 41. .Jahresversammlung des Deutschen Vereines von Gas- und Wasserfachmännern in Wien 1901. (Journ. f. Gasbel. u. W., 1901, 44. Jalirg., 8. «61 ff.) Auer schildert in diesem Vortrage die Geschichte seiner P>findung so lebendig, daß größere Teile daraus zitiert werden sollen.