Das Iiikandeszenzprinzip vor Auer.
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Lösung eines Magnesiumsalzes, zu einer Paste geknetet und aus dieser ein Faden gepreßt. Diesen plastischen Magnesiafaden wand man in zwei sich kreuzenden Lagen über einen konischen Dorn, trocknete und brannte das Gebilde und umwickelte es zum Transport noch mit Papier, das dann bei der Verwendung abgebrannt wurde. Die CLAMONDsche Lampe war mit einer Art von Bunsenbrenner ausgestattet, der aber hängend, wie bei den späteren Invertlampen, .angeordnet war. Die Überlegung, daß bei der Verbrennung mit Luftsauerstoff etwa die vierfache Menge von Stickstoff miterhitzt werden muß, bewog Clamond, seinen Brenner mit einer Vorwärmungseinrichtung für die Verbrennungsluft zu versehen, einem zentralen Rohr, das durch radial gestellte Stichflämmchen beheizt wurde.
Aus dem gleichen Jahre stammt ein amerikanisches Patent, das Charles M. Lung ren auf Leucht kör per aus Kalk, Magnesia oder Zirkonerde nahm. Aus diesen Substanzen, einzeln oder in Mischung, wurde mit einem organischen Bindemittel die Paste hergestellt, aus der, ähnlich wie bei Clamonds Verfahren, der Leuchtkörper, eine netzartige Kappe, geformt wurde.
Auch A. M. Khotinsky (1881) und Leon Somze (1883) stellten aus diesen -Materialien ähnliche Leuchtkörper her. Während dieser jedoch dem Glühkörper noch eine Kappe aus Platingewebe aufstülpte, empfahl jener, die Glühmasse mit Kohlenstaub oder, da dieser bald verbrannte, mit Platinschwamm zu bedecken, um die Brillanz der Wirkung zu erhöhen. Khotinsky wollte übrigens auch brennbare Flüssigkeiten oder pulverisierte feste Körper zur Beheizung der Lampen verwendet wissen. Flüssige Kohlenwasserstoffe oder Alkohol wollte auch Chaimsono- vitz 1884 zur Erhitzung seiner Glühkörper — Bündel von Platin- oder Iridiumdrähten — benützen, wobei er auf den sonderbaren Gedanken verfiel, sowohl die Blanime als auch elektrische Erwärmung gleichzeitig wirken zu lassen.
Besondere Beachtung gebührt noch dem Glühlicht, das der Schwede Otto Fahnehjelm 1883 speziell für Wassergas ausbildete. Da dieses Gas ja mit nichtleuchtender Flamme brennt, benützte Fahnehjelm gewöhnliche Schnittbrenner. *^ls Material für die Leuchtkörper dienten Oxyde, besonders Magnesia. Daraus w urden, ähnlich wie schon früher beschrieben, auf dem Weg über eine Paste Stäbchen geformt, die Fahnehjelm kammartig in einen Metallträger einsetzte. Der ganze „Glühkamm“ hatte eine Gestalt, die sich ungefähr der Flamme des Schnittbrenners anpaßte. Die einzelnen Glühnadeln eines Kammes konnten ausgewechselt werden. Es ist nicht uninteressant, daß die Glühnadeln, zuletzt aus dolomitischer Magnesia hergestellt, noch mit einer Chromverbindung präpariert wurden. Trotz gewisser Erfolge konnte sich auch das FAHNEHjELMsche Glühlicht, schon weil es nur für Wassergas verwendbar war, nicht allgemein durchsetzen.
Die Konstruktionen von Seiffermann, von Wolters und Roslin, sowie von Nchiltsky, die Versuche zu einer Neubelebung des alten Kalklichts sind, die Flatinkörper von Jackson, Lewis, Popp, Sellow, Schoth, die alle in den beiden erN ten Jahren nach 1880 auftauchten, sie zeigen, wie sehr sich die Versuche einer Likandeszenzbeleuchtung in den Jahren knapp vor Auers Erfindung häufen.
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