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Fünfter Abschnitt.
Wendungsmöglichkeit des Steinkohlenleuchtgases zu einer echten Inkandeszenz- beleuchtung schuf im Jahre 1850 Auers großer Lehrer Robert Wilhelm v. Bunsen. Der gewöhnliche Leuchtflammenbrenner besteht aus einem Rohr, an dessen Öffnung, die irgendwie zweckmäßig geformt sein kann, das ausströmende Gas entzündet wird, wobei es zur Verbrennung die umgebende Luft verbraucht. Bei der Argandgaslampe war schon für eine zusätzliche Luftzufuhr gesorgt, indem durch ein zentrales Rohr auch ins Innere der Flamme Luft geleitet wurde, so daß die Flamme ringförmig brannte und nicht nur von außen, sondern auch von innen Luft empfing. Beim Bunsenbrenner hingegen wird schon vor der Verbrennung eine Durchmischung des Gases mit Luft vorgenommen. Die Luft tritt in den unteren Teil des Brennerrohres durch seitliche Öffnungen ein, vermischt sich mit dem Gas und das Gas-Luft-Gemenge verbrennt oben nach dem Verlassen des Brennerkopfes. Die Verbrennung ist vollkommener, es kommt zu keiner Kohlenstoffabscheidung und daher auch zu keiner Leuchtflammenbildung. Die Bunsenflamme ist ,,ent- leuchtet“, aber heißer, sie ist eine reine Heizflamme. Das System des Bunsenbrenners wird bekanntlich auch bei den meisten Gaskoch- und heizgeräten verwendet.
In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts führte der französische Techniker Tessie du Motay Versuche zu einer Inkandeszenzbeleuchtung aus, wobei er zunächst Leuchtgas verwendete, das er jedoch nicht im BuNSENSchen Brenner, sondern im Knallgasgebläse mit Sauerstoff verbrannte. Interessanter als dies ist jedoch sein Glühkörper, der aus Zirkonerde bestand. Schon 1825 hatte Berzelius auf das hervorragende Strahlungsvermögen dieser äußerst schwer schmelzbaren Erde hingewiesen. Tessie du Motay wendete die Zirkonerde in Form von Stiften an. Als größere Anlagen nach seinem System geschaffen werden sollten, ging er vom Leuchtgas wieder auf das Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch über und beleuchtete mit diesem „Hydrooxygenlicht“ 1867 die Plätze vor den Tuilerien und dem Hotel de Ville in Paris. Auch auf dem Westbahnhof in Wien war kurze Zeit eine Zirkonglühlichtanlage in Tätigkeit.
Eipe Verbesserung des Zirkonlichts wurde durch Linnemann versucht, der durch Pressen Zirkonplättchen herstellte und sie in Platintellern faßte. Diese Glühkörper waren jedoch im Betrieb recht empfindlich. Wertvoller sind Linne- manns Studien zur Schaffung einer richtigen Brennerkonstruktion, l>ei der die Ausströmungsgeschwindigkeit so gewählt ist, daß die Verbrennung erst 0,5 bis 1 cm vor der Mündung erfolgt, wodurch sowohl der Brenner geschont, als auch die gesamte Hitze auf den Leuchtkörper konzentriert wird. Der LiNNEMANNsche Gebläsebrenner ist insbesondere von dem Mechaniker Max Wolz in Bonn noch vereinfacht und vervollkommnet worden. Widerstandsfähigere Glühkörper aus Zirkonerde erzielte Kochs durch ein Frittungsverfahren.
Den Gedanken von Cruckshanks, Platindrähte mit Oxyden zu überziehen, nahm Edison in einem Patent des Jahres 1878 wieder auf. I nteressanterweise dachte er dabei außer an Zirkon auch an Cer und andere seltene Erden, aus deren Nitraten, Oxalaten oder Acetaten der Überzug herzustellen sei, der dann nach dem Erhitzen eine feste Oxydschicht hinterlassen sollte.
1881 erfand der Franzose C. Clamond körbchenförmig geflochtene Leucht- kör|>er aus Magnesia. Um sie herzustellen, wurde gebrannte Magnesia mit der