Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper.
29
werde. Da dachte ich ganz zufällig daran, die Salze dieser Körper etwa von Baum- wollgewebe imbibieren zu lassen und diese(s) dann zu veraschen. Das wahrscheinlichere war, daß dieses Experiment nicht glücken werde, daß das Erdgebilde, das sich bei der Zerstörung des Gewebes durch die Flamme bilden sollte, keine Kohärenz besäße. Doch das Experiment gelang. Die Erde blieb in der Gestalt des Gewebes zurück. Als ich später einmal zu meinem Lehrer Bunsen nach Heidelberg kam und ihm mitteilte, in welcher Weise ich die Erden gestalte, schüttelte der alte Herr staunend den Kopf und meinte: Das scheine doch höchst unwahrscheinlich, daß die Oxyde sich so in einer kohärenten Form gestalten ließen, und ich erinnere mich ' noch mit vieler Freude an sein außerordentlich erstauntes Gesicht, als ich ihm dann die Erzeugung eines solchen Mantels zeigen konnte.
Bei diesen verschiedenen Bemühungen, die Erden in eine für die Lichtwirkung günstige Form anzuordnen, stieß ich auf einen Körper, dessen überaus große Leuchtkraft man bisher wenig kannte, da man eben, wie gesagt, die Substanzen nur immer in Form kleiner Perlen untersuchte. Dieser Körper war das Lanthan, das Lanthanoxyd. ... das Lanthanoxyd war es, das mich auf die Idee gebracht hat, die seltenen Erden zur Lichtgewinnung im großen heranzuziehen.
Der Lanthanoxydmantel war tadellos, aber da kam die erste Enttäuschung. Ich ging aus dem Laboratorium einige Tage fort, der Mantel war sorgfältig verschlossen, und als ich zurückkam, war er zu feinem Staub zerfallen. Ich habe das Experiment wiederholt — immer derselbe böse Effekt. Das Lanthanoxyd zerfiel z u feinem Staub. Diese erste Freude war also kurz.
Dann kam ich auf die Idee, das Lanthanoxyd, dessen lichtgebende Eigenschaften festgestellt waren, dadurch haltbar zu machen, daß ich es in Verbindung brachte mit anderen Körpern, die nicht so leicht, wie das Lanthanoxyd, an der Luft Wasserdampf und Kohlensäure anziehen und dadurch schließlich zerfallen. Lcr erste Körper, mit dem ich experimentierte, war die Magnesia. Ich hatte damals längst erkannt, welche große Bedeutung es hätte, wenn die Körper in feinster Verteilung, in innigstem Gemenge geglüht werden. Die Verteilung muß herabreichen his zu den kleinsten Teilchen. Ich nannte dies molekulare Mischung. Mischt man nu n die Körper in dieser Weise und glüht sie, dann ändern sich sonderbarerweise ihre Eigenschaften. Die weiße Magnesia, das weiße Lanthanoxyd gab einen Glühkörper von dunkelbrauner Farbe. Die Eigenschaften der Komponenten waren in ( ien Eigenschaften der gebildeten Verbindungen nicht wiederzuerkennen. Aus Lanthanoxyd und Magnesia bestand der erste Glühkörper, der brauchbar schien. " r Zer fiel, nachdem er anhaltend geglüht worden w r ar, beim Liegen in der Luft n »cht. Dieser Glühkörper gab schon ein schönes Licht. Der Nutzeffekt war zwar rocht allzugroß, etwa der der Siemens-Regenerativbrenner. Eine unangenehme -•genschaft hatten diese Glühkörper aber. Kaum, daß man sie etwa 70 oder ^ Stunden in der Flamme leuchten ließ, sinterten sie stark. Sie wurden durchweinend, verloren ihr eigentümlich fein poröses Gefüge und wurden glasig. Also auc h dieses Experiment war schließlich mißglückt.“
In seiner ersten Patentanmeldung auf „Neuartige Leuchtkörper für Incan - ^cscenz- Gasbrenner, genannt ,Aktinophor“‘ vom 18. September 1885 gibt Auer optimale Zusammensetzung des neuen Glühkörpers