Der Lanthan-Zirkon-Glühkörper.
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ihnen in einem kurzen Vortrag seine Erfindung. Durch die nun folgenden, zumeist wohlwollenden und ermutigenden Besprechungen in den Tagesblättern wurde das neue Beleuchtungssystem schnell bekannt. Ja, ein Journalist war es, der im Bericht des Neuen Wiener Tagblattes der Erfindung, die Auer ursprünglich „Aktinophor“ genannt hatte, den Namen gab, den sie seither behielt: „Gasglühlicht“.
Aber „während die Erfindung auf der einen Seite wohlwollende, ja vielleicht sogar begeisterte Aufnahme fand“, so erzählt Auer in dem früher zitierten Vortrag, 1 „fand sie auf der anderen Seite große Skepsis vor; ja man verlachte sie. Ich kenne berühmte Gastechniker, die damals bereit waren, mit jedermann eine Wette einzugehen, daß mehr als 1000 Flammen durch ein Jahr in keiner Stadt im Betrieb erhalten werden würden, und eine Koryphäe auf dem Gebiet der Gasbeleuchtung ... erklärte rundweg, als man sein Interesse an der Sache wachzurufen suchte: damit könne er sich nicht abgeben, seine Firma arbeite nur mit ernsten Dingen“.
Auch seinen früheren Studienkollegen Dr. Hans Heger bat Auer damals in sein Laboratorium, um ihm das Gasglühlicht zu zeigen. Heger konnte zunächst nicht recht daran glauben, daß ein Aschenskelett genügend fest für irgendwelche praktische Zwecke sei. Sein zweiter Einwand war, daß das elektrische Licht wohl in Zukunft allein das Feld beherrschen und das Gas als Beleuchtungsmittel bald gänzlich verdrängen werde. Darauf konnte Auer lächelnd erwidern, daß er seine Erfindung bereits um eine Million Gulden an den Großindustriellen Lindheim verkauft habe. 2 Dieser Besuch veranlaßte Heger, der AuERschen Erfindung in seiner „Pharmazeutischen Post“ einen Artikel zu widmen, der dann von einem technischen Fachblatt zwar nachgedruckt, aber sehr skeptisch beurteilt wurde. In Auers Glühmasse werden seltene Erden vermutet. ,,... dieses Material“, so heißt es dort, 3 „würde jedoch von vornherein wegen seiner Kostbarkeit jeden ernstlichen Gedanken an eine Verwendung in größerem Maßstab ausschließen.“ „... soviel scheint uns jedoch schon jetzt ziemlich sicher, daß wir ,eine vollständige Umwälzung auf dem Gebiete der Gasindustrie ‘ von dieser Seite kaum erwarten dürfen.“ 4 Wesentlich anders klingt schon der Bericht derselben Zeitschrift über die 26. Jahresversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern, die im Juni des gleichen Jahres in Eisenach stattfand. „Auf das lebhafteste Interesse konnte von vornherein das Gasglühlicht von Dr. Auer rechnen; allgemeiner Beifall folgte auch den Demonstrationen des Herrn Pintsch, der eine Serie von Auer-Brennern, Welche theils mit Leuchtgas, theils mit Wassergas gespeist wurden, der Versammlung vorzeigte... Ohne Zweifel stehen wir in dem Auer-Brenner einem interessanten Fortschritt auf dem Gebiete der Glühlichtbeleuchtung gegenüber und die Gasindustrie hat alle Ursache, die weitere Entwicklung desselben zu fördern; ... Wir können daher nur wünschen, daß die Fabrikationsschwierigkeiten bald so weit überwunden sind, daß die von vielen Seiten begehrten Brenner in den Verkehr gebracht und weitere Erfahrungen gesammelt werden können.“ 5 In einem Experi-
1 Journ. f. Gasbel. u. \V„ 1901, 44. Jahrg., S. 662.
1 Mündliche Mitteilung Herrn I)r. Hans Hegers.
3 Journ. f. Gasbel. u. W., 1886, 29. Jahrg., S. 65.
4 Ebenda, S. 66.
8 Ebenda, S. 486.
Geschichte der Technik, H. 2.
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