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Zwölfter Abschnitt.
Welt aufs lebhafteste beschäftigte, die Chemie der radioaktiven Stoffe. Die Wiener Akademie der Wissenschaften hatte 10 Tonnen Pecherzrückstände der Urangewinnung von Joachimsthal übernommen, deren Verarbeitung auf Radium Ludwig Haitinger leitete. Aus diesem Material waren durch Ammoniakfällung 1800 kg „Hydrate“ abgeschieden worden, deren weitere Untersuchung die Radiumkommission Auer von Welsbach übertrug. 1 Die Präparate von Ionium, Polonium und Actinium, die Auer daraus für die Akademie, bzw. für das neugegründete Radiuminstitut
Abb. 22. Das Laboratorium im Schlosse Welsbach, in welchem Auer bis knapp vor seinem
Tode arbeitete.
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herstellte, leisteten der Wissenschaft die wertvollsten Dienste. Die Bereitwilligkeit und Freigebigkeit, mit der Auer stets seine wertvollen, oft in mühsamen Trennungsoperationen gewonnenen Präparate sowohl österreichischen als auch ausländischen Gelehrten zur Verfügung stellte, kann überhaupt gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er hat dadurch die Röntgenspektroskopie in fruchtbarster Weise gefördert und durch seine loniumpräparate der Tsotopieforschung eine ihrer experimentellen Voraussetzungen gegeben.
Seine spektroskopischen Erfahrungen legte Auer — abgesehen von den schon genannten Arbeiten — in einer Abhandlung des Jahres 1922 nieder. Sie beschreibt die Spektralverfahren, die er bei seinen Arbeiten angewendet hatte, gibt eine Schilderung der von ihm konstruierten Funkenapparate mit ihren eigenartig ausgebildeten Polen, behandelt die visuelle und photographische Prüfung der Spektren
1 Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 119 (1910), Abt. Hb, S. 1011.