Ytterbiumzerlegung und andere Arbeiten.
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Mendelejew 1869 fast gleichzeitig entworfen, enthält die chemischen Grundstoffe nach ihren Atomgewichten geordnet, wobei sich eigentümliche Regelmäßigkeiten ergaben. Die interessantesten Stellen an diesem System aber waren seine Lücken: man wagte es, die in diese Lücken gehörenden, offenbar noch unentdeckten Elemente in allen ihren chemischen Eigenschaften vorauszusagen und fand diese Prophezeiungen an den später entdeckten Elementen, Gallium, Germanium, Scandium u. a., in verblüffender Weise erfüllt. Einer der Fehler dieses ausgezeichneten Systems war, daß in ihm eine große Gruppe chemisch sehr ähnlicher Grundstoffe keinen Platz fand,,eben die seltenen Erden.
Diesem Mangel abzuhelfen war der modernen Atomphysik Vorbehalten. War früher jedes Element durch sein Atomgewicht und durch die Linien seines Lichtspektrums charakterisiert gewesen, so ergab nun die Röntgen- oder Hochfrequenzspektroskopie Aufschluß über die Kernladung des Atoms, und da es ebensoviel chemische Elemente gibt wie Atomkerne verschiedener Kernladungszahl, konnte man diese Zahl ganz einfach auch als Ordnungszahl oder Atomnummer bezeichnen. Das periodische System, mit den Erkenntnissen der neueren Atomphysik ausgebaut, nahm nun auch die Gruppe der seltenen Erden auf, ja man weiß auch ihre Reihenfolge und ihre Anzahl, nämlich 15. Für diejenigen Stoffe, deren Elementarnatur Auer von Welsbach behauptet hatte, wurde diese durch die neue Methodik bestätigt, und für die AuERschen Elemente ergaben sich die Ordnungszahlen: Praseodym 59, Neodym 60, Ytterbium (nach Auer Aldebaranium) 70 und Cassiopeium 71. Dieses ist zugleich das letzte Element in der Reihe der seltenen Erden. Die Vermutungen Auers, das Thulium sei aus 3 Komponenten (Tu t , Tu,j und Tu in ) zusammengesetzt, 1 ja die ganze Gruppe der seltenen Erden enthalte überhaupt weit mehr Elemente, als man annehme, haben sich nicht bestätigt.
Nach der Methode der Hochfrequenzspektren sind bisher die Elemente Hafnium (1922), dann Masurium und Rhenium (1925) entdeckt worden. Von den seltenen Erden ist nur das Element Nr. 61 zurzeit noch unbekannt. 2 Auch Auer von Welsbach hat vergeblich nach ihm gesucht. 3 Bunsen und Kirchhoff hatten um 1860 die alte, mit chemischen Mitteln arbeitende Elementenforschung um die Spektroskopie bereichert, die dann Auer von Welsbach so glänzend zu handhaben verstand. Die moderne Atomphysik aber hatte durch ihre rationelle Methodik der alten Romantik des Elementenaufspürens das Ende bereitet. Man darf wohl sagen, daß Auer von Welsbach der letzte dieser alten Elementenjäger war.
Die Gabe Auers, durch klug erdachte Operationen schwierige chemische Trennungen durchzuführen und seine Erfahrung in der Isolierung kleiner Substanzmengen aus großen Rohstoffmassen mußten ihn besonders auch für ein Forschungsgebiet befähigen, das vom Beginn des 20. Jahrhunderts an die chemische
1 Notiz über die Elemente des Thuliums. Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss., Wien, 120 (1911), Abt. Ilb, S. 193.
2 Inzwischen glaubten amerikanische Forscher in ihrem „Illinium“, italienische in ihrem „Florentium“ und der Deutsche R. J. Meyer spektralanalytisch das Element Nr. 61 erkannt zu haben.
3 über einige Versuche zur Auffindung des Elementes Nr. 61. Chem. Ztg. 50 (1926), 990.