Metallfadenlampen vor Auer.
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durch Pressen, Walzen u. dgl. die Fäden zu formen, die man dann verkohlte. Soweit diese plastischen Massen Pasten aus Ruß oder Graphit mit geeigneten Bindemitteln waren, erinnert das Verfahren übrigens an das später von Auer von Welsbach angewandte zum Formen der Osmiumfäden. Andere brauchbare Massen fand man in den zähflüssigen Lösungen der Zellulöse und ihrer Verbindungen. Hierher gehören die Methoden, bei denen Baumwolle entweder in Schwefelsäure pergamen- tiert oder in Kupferoxydammoniak oder Chlorzinklauge gelöst wurde, auch die Herstellung der Fäden aus Nitrozellulose und aus Eisessigkollodium. Die Fäden, die (ähnlich wie bei der Fabrikation der Kunstseide) aus Düsen gespritzt wurden, hatten den Vorteil großer Gleichmäßigkeit.
Alle diese Verbesserungen und manche andere konstruktiver Art trugen sicherlich zur Vervollkommnung der Kohlenfadenlampe bei. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die damalige Entwicklung der Glühlampe nachgerade in eine Sackgasse geraten war. Man kann sagen, daß man im letzten Jahrzehnt vor 1900 aus dem Material des Leuchtfadens, der Kohle, das Erreichbare herausgeholt hatte. Aber dieses Material war, sowohl an der Lichtausbeute, als an seiner mechanischen Festigkeit und seiner Lebensdauer beurteilt, nur von beschränkter Eignung. Fs war kein rechter Weg erkennbar, der eine Zukunftsentwicklung mit merklicher Leistungssteigerung oder neuen Möglichkeiten verhießen hätte. Sich vorläufig mit dem Erreichten zu bescheiden, mußte aber schon aus wirtschaftlichen Gründen ganz unmöglich erscheinen. Denn eine elektrische Lampe, die je Hefnerkerze einen Aufwand von 3,5 Watt erforderte, konnte mit dem Gasglühlicht Auers, das, mit dem neuen Thor-Cer-Glühkörper ausgestattet, in jenem Jahrzehnt seinen großen Triumphzug angetreten hatte, nicht in Wettbewerb treten.
Neuerliche Bestrebungen, eine Metallfadenlampe zu schaffen, traten nur sehr vereinzelt hervor. Man könnte hier an die mit Wolfram metallisierten Kohlefäden denken, die Tibbits schon 1889 dadurch herstellte, daß er Textilfasern mit wolframsauren Salzen tränkte und dann im Wasserstoffström glühte, oder an den Vorschlag A. de Lodyguines (1893), Platindrähte mit schwerer schmelzbaren Metallen, wie Khodium und Iridium, Ruthenium und Osmium, Molybdän, Wolfram oder Chrom °der zur Verbesserung der Lichtausbeute auch mit deren Oxyden zu überziehen. Im übrigen aber wartete die elektrische Beleuchtungstechnik am Ende des neunzehnten Jahrhunderts auf den Mann, der der Glühlampe den Weg zu weiterer Entwicklung weisen und sie mit Eigenschaften ausstatten sollte, die sie ihrem mächtigsten Konkurrenten, dem AuERschen Gasglühlicht ebenbürtig machte. Es wird immer eine der wunderbarsten Fügungen der Technikgeschichte bleiben, daß dieser Mann Auer von Welsbach selber war.
Fast gleichzeitig mit Auers Osmiumlampe tauchte noch eine andere Konstruktion auf, die sich ebenfalls durchsetzen konnte, dann aber keine Weiterentwicklung mehr erfuhr: die Nernstlampe. 1897 nahm der deutsche Chemiker Walter Nernst ein Patent auf eine elektrische Lampe, die als Leuchtkörper ein Stäbchen aus einem Gemisch feuerfester Oxyde hatte. Nernst verwendete hauptsächlich Magnesia, jedoch auch seltene Erden. Da solche Massen erst in der Hitze stromleitend werden, war es notwendig, den Glühkörper nach dem Einschalten des Stroms mit einer kleinen Spiritusfackel anzuwärmen, worauf dann die Lampe in