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Dritter Abschnitt.
auch nicht völlig rein, zu gewinnen. Nach dem nordischen Donnergott wurde es Thorium genannt.
Freilich waren alle diese Erden noch keineswegs einheitliche Körper. Nach und nach gelang es, sie in weitere Bestandteile zu zerlegen und diese in reinem Zustand zu gewinnen. Ein Schüler von Berzelius, Carl Gustav Mosander, führte in wenigen Jahren eine Reihe wichtiger derartiger Trennungen aus. 1839 konnte er aus der Cererde einen Bestandteil absondern, den er schon seit langem mit Bestimmtheit darin vermutet hatte. Er nannte das neue Element, das er durch Reduktion mit Kalium aus dem Chlorid erhalten hatte, wegen seiner langen Verborgenheit Lanthan. 1 Drei Jahre später (1842) fand er, daß auch das Lanthan noch eine Begleitsubstanz habe, welche Didym 2 genannt wurde. Die Cererde stellte sich damit als ein Gemisch der Oxyde von Cer, Lanthan und Didym dar. Schon im nächsten Jahre stellte Mosander für die Yttererde ähnliche Verhältnisse fest. Er zeigte, daß sie aus einem weißen. Oxyd (Yttererde), einem gelben des Erbiums und einem rosafarbigen des Terbiums 3 bestehe. Mosander hatte seine Trennungsmethoden auf der Beobachtung aufgebaut, daß die oxalsauren Salze der seltenen Erden in Wasser ungleiche Löslichkeit haben.
So war durch diese und mehrere andere Forscher auf dem Gebiete der seltenen Erden bereits eine Reihe neuer Elemente sichergestellt, als um 1860 durch die Arbeiten zweier Deutscher der Elementenforschung eine völlig neue Grundlage gegeben wurde. Robert Wilhelm v. Bunsen und Gustav Kirchhoff hatten mit der Spektroskopie die zweifellos eleganteste Analysenmethode geschaffen, ja darüber hinaus — wenn Fern Wirkung ein auf allen Gebieten der abendländischen Technik erstrebtes und für sie charakteristisches Ziel ist — nun auch der Chemie ihre „Fernmethode“ gegeben. Die Erkennung der Grundstoffe auf diesem optischen Wege führte schon in den nächsten Jahren zur Entdeckung neuer Elemente auch außerhalb der seltenen Erden. So fand man damals das Cäsium, Rubidium, Thallium und Indium. Besonders aber auf dem Gebiete der seltenen Erden, wo es ja galt, chemisch recht ähnliche Körper durch mühsame Trennungsoperationen voneinander zu sondern, mußte das für jedes Element charakteristische Spektrum zu einem unschätzbaren Führer werden. Doch auch die chemisch-analytischen Verfahren wurden alsbald weiter ausgebaut. So beschrieb 1873 der Russe Dimitri Mendele- JEW eine neue Trennungsmethode für Lanthan und Didym, bei der die Ammondoppelnitrate benutzt werden, ein Gedanke, der später in den Arbeiten Auers von Welsbach wiederkehrt. 1875 führte Bunsen mit Hilfe seiner Natriumthiosulfat- Methode und der von Mosander angegebenen Oxalat-Trennung genaue analytische Bestimmungen von Thor- und Cerpräparaten aus. Im selben Jahre konnten William Hillebrand und Norton durch die Elektrolyse der geschmolzenen, wasserfreien Salze reines metallisches Cer sowie auch Lanthan gewinnen.
Reich an Entdeckungen neuer Erden war das Jahr 1879. Paul Emile Lecoq de Boisbaudran isolierte aus dem sibirischen Mineral Samarskit eine Erde, deren
1 lanthanein = verborgen bleiben.
2 didymo8 = Zwilling.
3 Die Elementennamen Erbium und Terbium wurden aus dem Worte Ytterby abgeleitet.