Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Das Cereisen.

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eisen ergaben. Damit war die wirtschaftliche Verwertung der Monazitsandrück­stände für die Cereisenfabrikation ermöglicht.

Es war Auers Absicht, das Cereisen für alle nur möglichen Zündungszwecke zu verwenden: für Feuerzeuge und Gaszünder, als Zündung für Fahrrad-, Auto­mobil- und Grubenlampen, zur Geschoß- und Minenzündung, als Signalapparat, ja es ist interessant, daß Auer sogar an einen Motor mit Cereisenzündung dachte.

Anfänglich wurden drei Marken pyrophorer Legierungen erzeugt. ,,Cer oder Auermetall I war eine Legierung aus ziemlich reinem Cer und Eisen für Zündzwecke. MitLanthan oder Auermetall II bezeichnete man eine Mischung von Cer, Lanthan und Eisen, die große helle Funken gab und für Lichtsignale Verwendung finden sollte.Erdmetall oder Auermetall III bestand aus Eisen und dem natürlichen Cermischmetall, wie es sich ohne die Abtrennung der Begleitmetalle Lanthan, Neodym und Praseodym aus dem Chlorid ergab. Die Erzeugung der MarkeCer wurde wegen der kostspieligen, und wie sich zeigte, überflüssigen Reinigung des Chlorids später wieder eingestellt.Lanthan, das als Signalmittel gedacht war, bewährte sich nicht und wurde aufgelassen; den Namen Auermetall II erhielten gefrittete Körper, die aus gesägten Spänen von Auermetall I hergestellt waren und besonders stark funken sollten. Aber alle diese Erzeugnisse verschwanden wieder und nur ein einziges, dasErdmetall, aus 30% Eisen und 70% des Cermisch­metalls bestehend, wurde beibehalten. In Auermetall I umbenannt, wurde es über die ganze Welt verbreitet.

Zur Erzeugung des Cereisens hatte Auer im Jahre 1907 die Treibacher Che­mischen Werke gegründet. Schon mehrere Jahre vorher hatte er von der Alpinen Montan-Gesellschaft die stillgelegten alten Eisenwerke der Grafen Egger zu Trei- bach in Kärnten übernommen und zu einem Forschungslaboratorium ausgestaltet. Im Jahre 1908 brachte die Fabrik 800 kg Cereisen auf den Markt. Dann zog man die in der Thoriumfabrik in Atzgersdorf lagerndenBerge von Rohsulfaten heran und die Cereisenerzeugung stieg schnell. Der Rohstoffvorrat hatte etwa 400 bis 500 Waggons betragen. Während des Krieges, im Jahre 1915, als etwa ein Fünftel dieser Menge verbraucht war, beschlagnahmte die Regierung den gesamten Rest­vorrat, um die Erzeugung des Pflanzenschutzmittels Perozid sicherzustellen, doch gelang es bald wieder, genügende Vorräte freizubekommen. Die größte Jahres­erzeugung an Cereisen betrug seither in Treibach 47613 kg. Heute stellt die Fabrik außer dem Auermetall auch Speziallegierungen, wie Ferrowolfram, Ferromolybdän, Ferrochrom, Ferrovanadin, sowie radioaktive Präparate her.

Die Ausnützung der Cereisenpatente in Deutschland übernahm die Pyrophor - Metallgesellschaft in Köln. Infolge von Nichtigkeitsklagen durch irrige Auslegung einer das Cereisen betreffenden englischen Literaturstelle wurde das deutsche Reichspatent sehr wesentlich eingeschränkt. Dr. Franz Fattinger konnte diesen Trrtum klären und nachweisen, daß eine Cerlegierung mit einem erheblichen Eisen­ragend beteiligt. Als Generaldirektor der Treibaclier Chemischen Werke organisierte er hier die fabrikatorische Gewinnung der Legierungen der seltenen Erdmetalle, später dann die Erzeugung von Ferrolegierungen und die Verwertung von Radium und Meso­thorium enthaltenden Präparaten. Fattingers wissenschaftliche Veröffentlichungen behandeln hauptsächlich die Theorie der Funkenbildung pyrophorer Legierungen.