62
Elfter Abschnitt.
des Gaslichts zu mildern und es durch die Beigabe einer selbsttätigen Zündvorrichtung dem elektrischen Licht ebenbürtiger zu machen.
Der Ausdruck Pyrophorismus, der ursprünglich allgemein die Eigenschaft der Selbstentzündlichkeit fester Körper bedeutete (z. B. die Eigenschaft äußerst feinen Eisenpulvers, bei der Berührung mit Luft aufzuglühen und zu Oxyd zu verbrennen) — dieser Ausdruck wurde von Auer von Welsbach für das Funkensprühen geschlagener oder gefeilter Metalle eingeführt. Man erzählt, Auer habe, als er nach der BuNSENschen Methode Cermetall hergestellt und ein an dem Eisendraht der Kathode hängendes Cerklümpchen angefeilt hatte, beobachtet, daß die nahe am Eisen liegenden und offenbar mit Eisen legierten Metallschichten unter der Feile besonders lebhaft Funken sprühten und er habe daraus geschlossen, daß Eisen ein wesentlicher Bestandteil des pyrophoren Metalls sein müsse. Versuche mit verschiedenem Eisenzusatz ergaben dann als günstigste Zusammensetzung eine Legierung von 70% Cer mit 30% Eisen. Auch das heutige Auermetall hat noch diese Zusammensetzung. 1903 meldete Auer seine pyrophoren Metallegierungen zum Patent an. Viel schwieriger als die Feststellung der optimalen Zusammensetzung war es jedoch, eine Methode zur industriellen Herstellung der Legierung zu finden. Die ersten Proben, die die Elektrolyse lieferte, waren lunkerig und sahen mit ihren vielen kleinen Poren ,,wie metallisiertes Brot“ 1 aus. Stücke hinwieder, die aus der einigermaßen kompakten Rinde herausgesägt wurden, waren nicht lager beständig und zerfielen nach kurzer Zeit zu Staub. Dennoch fanden sich, gerade unter den älteren Proben, auch wieder haltbare Stücke, eine Beobachtung, die dazu beitrug, daß die Versuche nicht aufgegeben wurden. Trotz allen Schwierigkeiten prophezeite damals Auer seinen Chemikern, daß einst das Cereisen so wie die Streichhölzer in jedem kleinen Kaufmannsladen zu haben sein werde. 2 Angesichts der ausschließlichen und unbestrittenen Alleinherrschaft der Zündhölzer sowie der kostspieligen Her* Stellungsmethode des Rohchlorids mußte diese Vorhersage recht gewagt erscheinen.
Im Sommer 1908 war es endlich gelungen, die Elektrolyse so zu leiten, daß porenfreies und haltbares Metall entstand. Es hatte sich gezeigt, daß nicht so sehr Reinheit des Chlorids als vielmehr seine möglichst vollkommene Trocknung hierfür nötig sei. Allerdings war Auer schon früher zu der Überzeugung gekommen, daß aus Monazitsandrückständen wegen ihres Phosphorgehalts überhaupt kein haltbares Cereisen zu erzeugen sei, und war daher dazu übergegangen, als Rohstoff die Mineralien Cerit und Allanit zu verwenden, womit er freilich seinen urspünglichen Gedanken, die cerhältigen Rückstände zu verwerten, verlassen mußte. Seinem Mitarbeiter Dr. Franz Fattinger 3 gelang es 1909, die Verarbeitung der „Berge“ so durchzuführen, daß phosphorfreie Ceritchloride entstanden, die haltbares Cer-
1 Oswald Gamber, Die Herstellung des Cereisens und die Gewinnung der Chloride der seltenen Erden (A. Hartleben), S. 4.
2 Ebenda.
3 Franz Fattinger, geb. 8. November 1881 in Waidliofen a. d. Ybbs, besuchte die Realschule und studierte an der Technischen Hochschule in Wien. Nach zweijähriger Tätigkeit in der chemischen Fabrik J. Medinger & Söhne in Neufeld a. d. Leitha ging er 1908 als Vorprüfer ans Patentamt in Wien und erwarb im gleichen Jahre den Doktorgrad an der Wiener Technischen Hochschule. Dann trat er in Treibach in Auers Dienste. Fattinger war insbesondere an der Durchführung der Cereisenpatentprozesse hervor-