Die Osmiumlampe.
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so beschloß ich denn, zu versuchen, ob ich nicht auch dem elektrischen Licht zu Hilfe kommen konnte .“ 1
Zur Erfindung der Osmiumlampe gelangte Auer auf einem interessanten Umweg, der auch über das Gebiet der seltenen Erden führte. „Bei den vielen Versuchen,“ so erzählte er , 2 „die ich über das Lichtausstrahlungsvermögen anstellte, hatte ich oft Gelegenheit, zu erkennen, wie außerordentlich verschieden sich die Körper in dieser Beziehung verhielten. Während der eine Körper oft nur zur hellen Rotglut kam, gab der andere, unter gleichen Verhältnissen erhitzt, schon blendend weißes hiebt. Diese Beobachtungen bezogen sich allerdings zumeist auf das Erhitzen in chemischen Energiequellen und waren demnach nicht direkt beziehbar auf die durch den elektrischen Strom hervorgerufenen Glühprozesse. Doch lag die Vermutung nahe, daß die Körper, im Strom erhitzt, gleichfalls erhebliche Unterschiede in ihrem Licht- und Wärmeausstrahlungsvermögen aufweisen könnten, ihre Lichtfarbe mithin verschieden wäre. Insbesondere richtete sich mein Augenmerk auf die schwer schmelzbaren Metalle, von denen ich annahm, daß sie sich in der Lampe ganz anders und besser verhalten müßten als der Kohlenstoff. Bestimmte Erfahrungen lagen in dieser Richtung, so viel ich weiß, nicht vor.
Mein Arbeitsziel war es also, ein Metall zu finden, das in der Gestalt eines dünnen, elastischen Fadens oder Drahts eine bis zur strahlenden Weißglut gehende Erhitzung ohne Formveränderung auszuhalten imstande war. Platin mit seinem verhältnismäßig niedrigen Schmelzpunkt kam natürlich nicht in Betracht. Die anderen als sehr schwer schmelzbar bekannten Metalle hingegen waren als dünne Fäden oder Drähte nicht zu beschaffen.
Da verfiel ich auf eine etwas absonderliche Idee. Ich hatte früher einmal gesehen, daß ein sehr feiner Aluminiumdraht, durch den Strom allmählich zum Glühen gebracht, bis zur hellen Weißglut erhitzt werden könne, ohne abzuschmelzen. Unter Berücksichtigung des niedrigen Schmelzpunkts des Aluminiums gewiß ein überraschendes Experiment. Ich wiederholte es und es gelang ganz leicht. Die Erklärung dafür zu finden, war nicht schwierig. Der allmählich in Rotglut kommende Aluminiumdraht überzieht sich nämlich mit einer nach und nach dichter werdenden ziemlich schwer schmelzbaren Tonerdeschicht, in der das zum Schmelzen kommende Metall, wie in einer Röhre festgehalten, bis nahe zum Siedepunkt gebracht werden kann, ohne daß das halbgeschmolzene Röhrchen berstet.“
Die Erfindungsgeschichte der Osmiumlampe ist so recht kennzeichnend für Auers Art zu erfinden. Die Literatur hat Auer nie viel benützt. Die früheren Versuche mit dem viel schwerer schmelzbaren Metall Iridium scheint er nicht gekannt zu haben. Die Erinnerung an das Experiment mit dem Aluminiumdraht, das er einmal gesehen hat, gibt ihm den ersten Erfindungsgedanken.
„Diesen Versuch“, so fährt Auer fort, „wollte ich unter gewissen, mehr Erfolg versprechenden Abänderungen nachahmen. Statt des Aluminiums wählte ich Platin, und den emailleartigen Überzug wollte ich aus dem fast unschmelzbaren Thoroxyd hersteilen. Das war auf den ersten Blick eine recht schwierige Aufgabe,
1 Carl Auer von Welsbach, Zur Geschichte der Metallfadenlampe. Elektrotechn. Zeitschr., 42. Jahrg. (1921), S. 453.
1 Ebenda.
(Schichte der Technik. H 2.