Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Neunter Abschnitt.

in Wirklichkeit jedoch eine höchst einfache Sache. Ich bewerkstelligte dies in folgender Weise: Ich zog einen dünnen Platindraht durch die mit einer verdünnten Thornitratlösung befeuchteten Fingerspitzen, glühte ihn dann in der Flamme aus und wiederholte diesen Versuch behutsam solange, bis der Platindraht mit einer eben sichtbaren Thoroxydschicht überzogen war. Nun zerschnitt ich ihn, um metallische Berührungsstellen zu schaffen, bog ihn in der Flamme bügel-förmig ab und setzte ihn an die aus Platin bestehenden, mit Strom versorgten Pole an; infolge einer kleinen Bogenbildung frittete er alsbald an und begann zu glühen. Mit dem allmählichen Ansteigen der Stromstärke kam er bis nahe zur Weißglut. Da begann er plötzlich an einer Stelle hell aufzuleuchten, während gleichzeitig der übrige Teil des Fadens an Leuchtkraft verlor. Durch entsprechende Verstärkung der Spannung gelang es leicht, die weißglühende Stelle zu vergrößern und so nach und nach den ganzen Faden in Weißglut zu versetzen. Der früher starr gewesene Faden war nun leicht beweglich das Platin war in seiner Hülle geschmolzen. Das Licht ließ sich bis zur strahlenden Weißglut verstärken, ohne daß der Fäden Schaden nahm. Es war überraschend, wie gering, relativ genommen, die Wärmestrahlung im Verhältnis zur Lichtstrahlung war. In diesem Versuch war wohl die erste niedrigwattige Metallfadenlampe in freilich nicht gebrauchsfähiger Form erstanden.

Ich sah mich meinem Ziel schon nähergerückt; allein die Enttäuschung blieb nicht lange aus. Beim Unterbrechen des Stroms bewegte sich der Faden zwar ein wenig, blieb aber scheinbar intakt. Als ich es aber dann versuchte, den Strom wieder einzuschalten, gelang das nicht mehr; die Leitung im Faden war unter­brochen. Bei näherer Prüfung konnte man an einer Stelle ein kleines Platin­kügelchen wahrnehmen, wogegen an einer anderen die Platinseele zerrissen war. Ich wiederholte den Versuch unter den mannigfachsten Abänderungen, leider jedoch immer mit dem gleichen ungünstigen Ergebnis. Nun ersann ich eine kleine Vor­richtung, die in selbsttätiger Weise es gestattete, die Thoroxydhülle beträchtlich zu verstärken und sie glashart zu machen. Wiederum ohne jeden Erfolg. Das schmelzende Platin sprengte die Hülle stets an irgendeiner Stelle, und. auch der Platinfaden zerriß immer wieder.

Unter solchen Umständen gab ich es natürlich auf, diese Versuche ins Praktische zu übertragen, experimentierte indes aus wissenschaftlichen Gründen weiter. Da, bei einem Versuch mit recht langem, bügelförmigem Faden, zeigte sich eine merk­würdige Erscheinung. Der glühende Faden krümmte sich und kam längsseits zur Berührung; von diesem Augenblick an fiel der untere Teil aus dem Glühen, der Strom ging an der Berührungsstelle über. Wiederholte, in verschiedener Weise abgeänderte Versuche hatten das gleiche Ergebnis. Ich schloß daraus, daß dichtes, stark gefrittetes Thoroxyd in glühendem Zustand den Strom leiten müsse. Weitere Versuche bestätigten diese Annahme. Ich erzielte den für das Leitvermögen not­wendigen innigen Zusammenhang der Teilchen dadurch, daß ich das komprimierte Oxyd mit einer Thornitratlösung tränkte, dann ausglühte und diesen Vorgang solange wiederholte, bis das Oxyd glasartige Beschaffenheit angenommen hatte. Andere feuerbeständige Oxyde, wie z. B. die seltenen Erden, verhielten sich ähnlich wie das Thoroxyd.