Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
Seite
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Die Osmiumlampe.

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Es war nicht schwierig, mit Hilfe solcher gefritteter Stäbchen sehr schöne Lichteffekte zu erzielen. Ich ging der Sache indessen nicht weiter nach, weil die Schwierigkeit des Vorglühens in einer für praktische Zwecke bestimmten Lampe nicht leicht zu überwinden gewesen wäre.

Mit dem Glühstäbchen aus gefritteten feuerfesten Oxyden stand Auer vor demselben Problem, dessen Lösung Walter Nernst erzwang, freilich ohne daß seiner Konstruktion dauernder Erfolg und weitere Fortentwicklung beschieden ge­wesen wären. Auer, als Techniker offenbar von feinerem Instinkt, zog sich von diesem Problem zurück, was um so bemerkenswerter ist, als es für ihn, den Mann der seltenen Erden, doch ein verlockender Gedanke sein mußte, seinem Gasglüh­licht unter Verwendung ähnlicher Leuchtkörperstoffe ein elektrisches Gegenstück an die Seite zu stellen. Doch Auer ließ sich durch die schön leuchtenden Oxyd­stäbchen nicht vom Weg abbringen.Mein Ziel blieb nach wie vor, so fährt er fort,der schwerschmelzbare, elastische Metallfaden. Nach den Versuchen mit Platin begann ich meine Arbeiten auf die anderen schwerschmelzbaren Platin­metalle auszudehnen, namentlich auf das den höchsten Schmelzpunkt besitzende Osmium. Alle diese Platinmetalle sind bekanntlich höchst spröde Körper, die ein Ziehen zu Draht unter keinen Umständen erlauben. Auf dem Wege der mechanischen Gestaltung war sonach nichts zu erreichen. Osmium und Ruthenium, die in hohem Maße verbrennlich sind und überaus gefährliche und giftige Verbrennungsprodukte geben, in dünne, elastische Fäden zu bringen, war keine ganz leichte Aufgabe. Zu­nächst imprägnierte ich Baumwollfäden mit den entsprechenden Salzlösungen und verglühte sie; dann überzog ich verbrennbare Fäden mit einer Schicht des fein zerriebenen Metalls; alles jedoch ohne eigentlichen Erfolg. Die Fäden waren stets ungleichmäßig und brannten daher an den dünnen Stellen durch, lange bevor der Faden konsolidiert war. Allein das eine zeigten mir diese Versuche mit aller Deut­lichkeit, daß das Osmium den anderen Platinmetallen weit überlegen war, und daß ich hoffen durfte, in ihm das geeignete Metall für die neue Lampe gefunden zu haben.

Ich versuchte nun ein anderes Verfahren. Ich spannte in einer weiten Röhre haarfeine Drähte aus, füllte die Röhre mit reduzierend wirkenden Gasen, die Dämpfe von Osmiumtetroxyd 1 enthielten, und erhitzte die Metallfäden durch den Strom soweit, daß das Osmium sich abzuscheiden begann. Dieser Prozeß wurde dann solange fortgesetzt, bis die Fäden die gewünschte Stärke angenommen hatten. Auf diese Weise gewann ich mitunter ganz brauchbare Fäden. Allein technisch vorteil­haft war dieses Verfahren noch immer nicht, teils weil es schwer hielt, die Seele des Glühfadens zu entfernen, teils weil die Fäden nicht genügend gleichartig und elastisch waren.

In seiner Patentanmeldung vom 15. Jänner 1890 spricht Auer von einem Legierungsverfahren und einem Kohleverfahren und meint mit jenem die eben be­schriebene Methode, Osmium auf Metalldrähten niederzuschlagen und diese dann auszuglühen, mit diesem hingegen die Verwendung eines Fadens aus Kohle oder organischer Faser, der mit Osmium überzogen und dann ebenfalls geglüht wurde.

1 Das Oxyd 0s0 4 entsteht durch Verbrennung von Osmium und ist flüchtig. Seine Läinpfe sind giftig und verursachen insbesondere schlimme Augenentzündungen.

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