Zur Entwicklungsgeschichte der Beleuchtungstechnik.
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Ein Beleuchtungssystem ist einerseits durch die Art der Energiezufuhr, anderseits durch die Art des lichtausstrahlenden Körpers charakterisiert. Hatte man beim Übergang von der Leuchtflamme zum Inkandeszenzlicht den Leuchtkörper geändert, die Art der Energiezufuhr, nämlich durch Verbrennung, aber beibehalten, so ist der Übergang zur nächsten Entwicklungsphase dadurch gekennzeichnet, daß diesmal der künstliche Leuchtkörper beibehalten, dagegen die Art der Energie- V.ufuhr abgeändert wurde. Bei den Beleuchtungsgeräten dieser dritten Entwicklungsphase wird der künstliche Leuchtkörper nicht mit der Energie des chemischen Prozesses der Verbrennung beheizt, sondern durch Zufuhr elektrischen Stroms. Die Mannigfaltigkeit der elektrischen Leuchten ergibt sich ähnlich wie beim Gas- inkandeszenzlicht, aus der Verwendung verschiedener Glühkörper (Kohlefäden; Metallfäden aus Osmium, Tantal, Wolfram; feuerfeste Oxyde in der Nernstlampe). Außer diesen elektrischen Glühlampen gehört aber in diese Gruppe auch die Bogenlampe, in der zum überwiegenden Teil den glühenden Kohlespitzen selber und vor allem dem positiven Krater die Rolle des Leuchtkörpers zukommt.
Wenn die Technik der Glühlampe heute auf der Höhe ihrer Entwicklung steht und dieses Beleuchtungsgerät das herrschende ist, so dürfte es doch kaum verfrüht sein, schon jetzt von der nächsten Entwicklungsphase zu sprechen und als ihren Vertreter die elektrische Entladungsrohre anzusehen. Ist dieses System in der Form der Quarzlampe, der Glimmlampe, der farbigen Leuchtröhren mit Neon, Quecksilber- oder Natriumdampf bisher hauptsächlich für Spezialzwecke verwendet worden, so ist man gegenwärtig bereits dabei, Natrium-Quecksilberdampflampen für die Beleuchtung der Landstraßen und elektrodenlos erregte Neonröhren für Leuchtturmzwecke zu erproben. Wegen ihrer viel größeren Wirtschaftlichkeit sieht man die Entladungsrohre als die Beleuchtungsart der Zukunft an.
Der hier versuchten Systematik gliedert sich die Entladungsrohre in der Weise ein, daß sie — gegenüber der Glühlampe — charakterisiert erscheint durch die Beibehaltung der elektrischen Betriebsenergie und den Wechsel des Leuchtkörpers: An die Stelle des festen Glühkörpers tritt ein verdünntes Gas.
Es ist bekannt, daß wir heute außer Glühlampe und Leuchtröhre auch das Inkandeszenzlicht und die freie Leuchtflamme noch benützen. Trotzdem muß man in diesen vier Gruppen Entwicklungsphasen der Beleuchtungstechnik sehen, die genetisch aufeinanderfolgen, mögen sie sich zeitlich noch so sehr überdecken. Als eigentümliche Regelmäßigkeit dieser Entwicklungsfolge fällt auf, daß mit jedem Übergang von einem System zum anderen die Beibehaltung und Abänderung von leucht kör per und Energiezufuhr abwechseln . 1 Diese Folge der Beleuchtungssysteme ist einerseits von einer beständigen Steigerung der Wirtschaftlichkeit begleitet , 2 anderseits aber werden die ungünstigen Nebeneigenschaften der Beleuchtungsarten v on Stufe zu Stufe mehr ausgemerzt. So hat das Inkandeszenzlicht gegenüber der freien Leuchtflamme schon den Vorteil völliger Rußlosigkeit, es leidet aber noch an dem Übelstand der Abgase und starken Wärmeproduktion. Die Glühlampe ist l>ereits eine Beleuchtungsart ohne Abgase, erzeugt aber noch viel Wärme, während
1 Siehe die Tabelle S. 58.
2 In technischer Hinsicht, wie die fünfte Rubrik der Tabelle zeigt. Praktisch werden diese Verhältnisse freilicli durch den Preis der elektrischen Energie stark beeinflußt.