Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Erster Abschnitt.

berechnung der Druckfläche eines Blattes oder Bogens. 1 Diese neuen Grammatiken erregten Aufsehen und verschafften ihrem Verfasser die Gönnerschaft des Staats­kanzlers Fürst Metternich und des Ministers Graf Kolowrat.

Angesichts dieser wertvollen Beziehungen konnte Auer daran denken, einer anderen Idee, die ihn schon seit einiger Zeit beschäftigt hatte, festere Formen zu geben. Sein Plan war: die damals recht primitive österreichische Buchdruckerkunst müsse durch die Errichtung eines großen polygraphischen Instituts auf eine höhere und vorbildliche Stufe gehoben, ja es müsse damit zugleich die Hauptverlagsstätte Deutschlands nach Wien verlegt werden. Aber er erkannte, daß er zuerst die be­rühmtesten Druckereien, Kunstanstalten und Bibliotheken des Auslandes sehen müsse und unternahm auf eigene Kosten eine diesem Zweck gewidmete Studien­reise nach Deutschland, Frankreich und England. Von dieser Reise heimgekehrt, legte er seinen Plan in einer Denkschrift nieder, die er seinen Wiener Gönnern überreichte. Bald darauf wurde Auer vom Grafen Kolowrat zur Erstattung eines Gutachtens über eine neue Setz- und Sortiermaschine herangezogen und am 24. Jänner 1841 wurde ihm die im Vorjahre erledigte Direktorstelle der Hof- und Staatsdruckerei in Wien übertragen.

Dieses Institut war nun freilich damals nicht mehr als eine etwas herab­gekommene Hilfsanstalt des Hofkammerexpedits. Die Staatsdruckerei war 1804 gegründet worden und hatte die Aufgabe, die von den Behörden und Ämtern be­nötigten Druckarbeiten durchzuführen. Für die ersten zehn Jahre hatte man einen Vertrag mit einer leistungsfähigen Wiener Buchdruckerei geschlossen, die sich der Staatsverwaltung zur Verfügung gestellt hatte. 1814 war der Betrieb verstaatlicht worden und weitere zehn Jahre später hatten sich bereits alle Nachteile dieser Maßnahme ausgewirkt. Infolge unzweckmäßiger und veralteter Betriebsführung war das Institut derart unrentabel geworden, daß man bereits seine Aufhebung erwog, um so mehr, als die meisten Ämter ihre Drucksorten lieber in privaten Druckereien herstellen ließen. In diesem Zustande befand sich die Staatsdruckerei, als der siebenundzwanzigjährige Setzer und Sprachlehrer Alois Auer an ihre Spitze berufen wurde. Die Aufstellung neuer Pressen und Maschinen, die Neu­aufnahme und Heranbildung tüchtiger Arbeitskräfte, vor allem aber der Umguß sämtlicher Vorräte veralteter Lettern in neue unter Anwendung des typometrischen Systems, das waren die hauptsächlichsten Arbeiten der ersten Jahre seines Direk­torats und als es ihm gelungen war, durch diese Maßnahmen, die wegen der Unter­ordnung unter eine Behörde oft schwer erkämpft werden mußten, das Institut wieder auf eine aufwärtsführende Bahn zu bringen, da konnte er auch an die Ver­wirklichung höherer typographischer Pläne denken.

Auer hatte erkannt, daß die Herstellungsmöglichkeit orientalischer Schriften für Österreich von Wichtigkeit sei und begann, in der Staatsdruckerei solche Schrift­zeichen schneiden und gießen zu lassen. Im Laufe weniger Jahre kam so eine reich­haltige und einzig dastehende Sammlung morgenländischer Schriftzeichen zustande, welche die Drucklegung orientalischer Sprachwerke ermöglichte, wovon Gelehrte des In- und Auslands in steigendem Maße Gebrauch machten. Das erste mit beweg-

1 Ebenda.