Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbach. 5
liehen japanischen Lettern gedruckte Buch der Welt stammt aus dieser Zeit der österreichischen Staatsdruckerei. Wie anregend diese Neuerungen Auers auch auf die Angestellten des Instituts gewirkt haben müssen, beweist der Umstand, daß jüngere Setzer und Faktoren anfingen, an der Universität Vorlesungen über Türkisch und Arabisch, Chinesisch, Japanisch und Sanskrit zu hören.
Das äußere Zeichen von Auers „linguistisch-typographischen“ Bestrebungen war die Herausgabe seiner großen „Sprachenhalle“,, einer Vaterunser-Sammlung in den verschiedensten Sprachen, zunächst nur in Antiqua gedruckt, später dann in den den Fremdsprachen eigentümlichen Schriftzeichen. Im selben Jahre wie das letztere Werk, 1847, kam auch seine „Typenschau des gesamten Erdkreises“ heraus.
Auch den verschiedenen Zweigen der graphischen Künste widmete Auer eifrige Tätigkeit. Die Wiederbelebung der zu jener Zeit wenig geübten Xylographie, die Heranziehung der Galvanoplastik zur Herstellung von Platten für die feinsten Kunstdrucke, besonders aber die Ausbildung des damals noch neuen Farbensteindrucks, der Chromolithographie, welches Verfahren nicht nur künstlerischen, sondern auch wissenschaftlichen Zwecken, wie etwa der Illustration des Hebra- EusiNGERschen Werkes über die Hautkrankheiten dienstbar gemacht wurde — all diese Neuerungen fanden Auers tatkräftigste Förderung. Da das auf blühende Institut immer zahlreichere junge Leute anzog, die sich um die Aufnahme als Lehrlinge bewarben, führte Auer für diese Zöglinge einen regelrechten Unterricht ein, bei dem, seiner ganzen Einstellung entsprechend, die Sprachen eine wesentliche Holle spielten. Es ist bezeichnend, daß er in diesen ersten Jahren, 1841 bis 1847, das technische Personal von 45 auf etwa 700 Köpfe vermehrte, die Zahl der Verwaltungsbeamten aber nur um einen einzigen!
Mag dieser und so mancher andere Zug an diesem modern eingestellten Menschen nicht so recht zu dem Bilde passen, das man sich von einem Regierungsrat des österreichischen Vormärz macht, so läßt die nun hereinbrechende Revolution des Jahres 1848 in Auer den altösterreichischen Beamten, der er durch und durch war, um so ausgeprägter hervortreten. Seinem Kaiser unbedingt ergeben, verstand er es, durch die oft schwierigen und bedrohlichen Situationen, in die er begreiflicherweise als Direktor der Staatsdruckerei dadurch kommen mußte, daß von allen Seiten her *fie Drucklegung von Plakaten, Bekanntmachungen u. dgl. von ihm gefordert wurde, geschickt hindurchzusteuern, äußerstenfalls unter Anwendung der altbewährten Verzögerungstaktik. In seinem Buch „Mein Dienstleben“ erzählt Auer folgende Begebenheit aus jenen Tagen: Feldmarschall Fürst Windischgrätz, der Kommandierende der kaiserlichen Truppen, hatte von Schloß Hetzendorf her Standrecht und Belagerungszustand über Wien verhängt und die Stadt zur sofortigen Übergabe auffordern lassen. Die Proklamation war in der Staatsdruckerei gedruckt worden. Sie hatte eine Gegenproklamation Messenhausers, des Kommandanten der Nationalgarde, zur Folge, deren sofortige Drucklegung dieser von Auer forderte. Auer ließ das Manuskript zunächst einen Tag liegen. Als man dann mitten in der Nacht energisch von ihm den Druck verlangte, ordnete er an, daß das Schriftstück gesetzt, daß jedoch nur ein einziger Abzug davon gemacht werde. Diesen legte er am Morgen seinem Chef, dem Finanzminister, vor, der ihm indessen auch nur raten