Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen

6

Erster Abschnitt.

konnte, nach den Erfordernissen der Lage zu handeln. Alsbald kam eine bewaffnete Abordnung zu Auer, die den schriftlichen Befehl vorwies, ihn", falls der Druck nicht sofort durchgeführt werde,ohne alle weitere Procedur standrechtlich zu behandeln und die Exemplification am Platze vorzunehmen. Auer ließ nun die Auflage drucken, nachdem er heimlich das Impressum der Hof- und Staatsdruckerei aus dem Satze entfernt hatte. Dies fiel bei der Übernahme nicht auf, hatte aber zur Folge, daß dem Plakate der offizielle Charakter genommen wurde, wodurch es- viel von seiner Wirkung auf die Bevölkerung verloren haben soll. Als endlich Messen­hauser selber mit bewaffneten Garden erschien und unter schärfsten Drohungen den Druck einer neuen Auflage mit dem Impressum der Anstalt verlangte, mußte Auer der Gewalt weichen, aber erst zu einem Zeitpunkt, als die Situation bereits wesentlich geändert war, zumal der Angriff Windischgrätz auf Wien inzwischen eingesetzt hatte.

Daß in jenen unruhigen Tagen unter dem zahlreichen Personal der Staats­druckerei kein nennenswerter Übergriff vorkam, auch dann nicht, als das Institut Millionen an Staatskreditpapieren herzustellen hatte, muß als Zeugnis für Auers außerordentliche Führereigenschaften gelten.

In der auf das Sturmjahr 1848 folgenden Zeit war die Staatsdruckerei durch die Herstellung von Papiergeld und anderen staatlichen Wertpapieren, durch die Drucklegung der vielen mit der Neugestaltung des Staates zusammenhängenden Veröffentlichungen, später auch durch den Druck von Briefmarken und Stempeln außerordentlich in Anspruch genommen. Auer verstand es, durch eine starke Ver­mehrung der maschinellen Ausrüstung sowie auch durch bauliche Erweiterungen die Leistungsfähigkeit des Instituts bedeutend zu steigern. Die Staatsdruckerei beschäftigte damals über 1000 Angestellte. Trotz der vielen amtlichen Arbeiten und Verpflichtungen, zu denen noch die Oberaufsicht über die staatliche Druckerei in Lemberg kam, fand Auer Zeit, sich der Förderung und Vervollkommnung neuerer graphischer Verfahren, wie der Galvanographie, Chromolithographie, auch der Photographie anzunehmen.

In das Jahr 1853 fällt die Veröffentlichung des von Auer gemeinsam mit dem Faktor Andreas Worring erfundenen Naturselbstdruckes. Um das Verfahren kurz zu erläutern, sei die kleine Beschreibung hier wiedergegeben, die Auer seiner Schrift Die Entdeckung des Naturselbstdruckes voranstellte.

Frage: Wie erlangt man in einigen Secunden fast kostenfrei und täuschend ähnlich von jedem Original eine Druckplatte, ohne eines Zeichners oder Graveurs etc. zu bedürfen ?

Lösung: Wenn das Original, sei es eine Pflanze, Blume oder ein Insect, Stoff oder Gewebe, kurz was immer für ein lebloser Gegenstand, zwischen eine Kupfer- und eine Bleiplatte gelegt, durch zwei fest zusammengeschraubte Walzen läuft.

Das Original läßt durch den Druck sein Bild mit allen ihm eigenen Zartheiten, gleichsam mit seiner ganzen Oberfläche auf der Bleiplatte zurück.

Trägt man auf diese geprägte Bleiplatte die Farben, wie beim Druck eines Kupferstiches auf, so erhält man durch einen einmaligen Druck von einer Platte jedesmal die der Natur täuschend ähnliche Copie mit den verschiedensten Farben.