Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbaoii.
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Bei einer großen Menge von Abzügen, welche die Bleiform wegen ihrer Weichheit zu liefern außer Stande ist, stereotypirt oder galvanisirt man dieselbe in beliebiger Anzahl, und druckt die stereotypste oder galvanoplastisch erzeugte Platte statt der Bleiplatte.
Bei einem Unicum, welches keinen Druck verträgt, über streicht man das Original mit aufgelöster Guttapercha, und benützt nach vorher stattgefundenem Überzüge von Silberlösung die abgenommene Guttapercha-Form als Matrize zur galvanischen Vervielfältigung.“
Die Bemühungen, von natürlichen Gegenständen, insbesondere von Pflanzen, Abdrücke herzustellen,, sind alt. So findet man in dem ,,Kunstbuch des Alexii Pedemon- tani“ vom Jahre 1570 Angaben über ein Verfahren, Abdrücke von Pflanzen zu machen. Eine Sammlung grüner Pflanzenabdrücke, von der Beckmann berichtet, wurde von Johann und dessen Sohn Theophilus Kentmann im Jahre 1583 hergestellt. Um 1660 soll der Däne Welkenstein diese Kunst gelehrt haben, die um dieselbe Zeit auch von dem berühmten Italiener Hieronymus Cardan us beschrieben wurde. Linne erzählt von einem Amerikaner namens Hessel, der sich 1707 ebenfalls mit einem solchen Verfahren beschäftigte. Im Jahre 1728 legte der Erfurter Professor Joh. Hieronymus Kniphof zusammen mit dem Buchdrucker Joh. Michael Funke zu diesem Zweck sogar eine eigene Druckerei an, die ein Werk mit 1200 Abbildungen herausbrachte. Weitere Werke dieser Art kamen im Laufe des 18. Jahrhunderts heraus, auch wurden mehrfach Anleitungen veröffentlicht, wie solche „Ectypa“ herzustellen seien.
Die ersten Verfahren bestanden darin, daß die Pflanze mit einer Kerze oder Lampe berußt und dann zwischen weichem Papier vorsichtig abgedruckt wurde, später wurden die Drucke durch Einschwärzen der getrockneten Pflanze mit zäher Buchdruckerfarbe hergestellt. Eine Pflanze hielt natürlich nicht viele Drucke aus. Alle diese Verfahren waren also von dem AuERschen noch weit entfernt.
Abb. 4. Naturselbstdruck nach einer Pflanze.
Aus: „Der polygraphische Apparat oder die verschiedenen Kunstfächer der k. k. Hof- und Staatsdruckerei zu Wien von Alois Auer.“ Wien 1853.