Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Erster Abschnitt.

Auer scheint sich schon geraume Zeit mit dem Gedanken eines Naturdruck­verfahrens befaßt zu haben, denn im Jahre 1849, anläßlich der Beratung über die Errichtung einer eigenen lithographischen Abteilung für die bildliche Wiedergabe wissenschaftlicher Gegenstände, meinte er, daß in Zukunft wohl der Zeichner für diese Zwecke in den.meisten Fällen entbehrlich werden würde. Es gelang ihm damals, einige gute Drucke von Versteinerungen, deren Platten der Faktor Andreas Worring galvanoplastisch nach den Originalen gewonnen hatte, herzustellen. Ähnliche Drucke von geätzten Achaten verfertigte kurze Zeit später der Professor am Polytechnischen Institut Leydolt. In das Jahr 1852 fällt die Ausarbeitung des eigentlichen Naturselbstdruckverfahrens, das zuerst der Wiedergabe von Spitzenmustern diente. Auer hat betont, daß sein Faktor Worring es war, der als Abformungsmaterial das Blei statt der zuerst verwendeten Guttapercha vor­schlug. Den größten Beifall, besonders auch in der wissenschaftlichen Welt, er­weckten jedoch die sodann hergestellten Pflanzenabdrücke. Wie der Professor an der Akademie der bildenden Künste, Ritter von Perger, berichtet, gerieten, als er in einem Vortrag vor dem zoologisch-botanischen Verein solche Drucke vorzeigte, ,,die sämmtlichen anwesenden Mitglieder in so freudiges Erstaunen, daß sich Herr Vicepräsident Ritter von Heufler bewogen sah, den weiteren Vorträgen Einhalt zu thun, bis ,sich die Aufregung gelegt habe'.

Die Einfachheit des Verfahrens, die Schönheit und überraschende Naturtreue der Drucke, die auch heute noch das Durchblättern eines derartigen Werkes genuß­reich machen, und der Beifall der Zeitgenossen lassen es verständlich erscheinen, wenn Auer die Bedeutung seiner Erfindung gewaltig überschätzte. Dies spricht sich in nichts so deutlich aus, wie in den Worten, mit denen er seine SchriftDie Entdeckung des Naturselbstdruckes einleitet:Drei große Momente ragen in der Cultur-Geschichte der Völker in Bezug auf die Presse hervor die Erfindung der Schrift Gutenbergs künstliche Druckform und die Entdeckung, wie die Natur selbst zum Drucke sich hingibt. Man möchte heute an die dritte Stelle eher die Photographie setzen, bei der sich ebenfalls die Natur selber abbildet und wenn man die photomechanischen Druckverfahren betrachtet, wenigstens mittelbar,zum Drucke sich hingibt. Die Möglichkeit, druckfähige Platten nach Photographien herzustellen, bestand ja damals längst, die Bestrebungen hierzu hatten unmittelbar nach der Erfindung der Photographie eingesetzt. 1 Die gewaltige Bedeutung und die großen Zukunftsmöglichkeiten der Photographie verkannte Auer keineswegs. In seinemPolygraphischen Apparat vom Jahre 1853, einer Art Systematik aller graphischen Verfahren, singt er wahre Loblieder auf die Photo­graphie, die er im übrigen bezeichnenderweise der Gruppe der Naturselbstdruck­verfahren zuzählt. Die Staatsdruckerei hat mehrere Werke in Naturselbstdruck herausgegeben, deren Pflanzenbilder einen Reiz haben, der in seiner Eigenart auch von den heutigen Verfahren nicht erreicht wird.

1 In der Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 19. August 1839 machte Arago das I)AGUERREsche Verfahren bekannt. Im April 1840 wurden von Josef IIerres in Wien und wenige Wochen später von Alfred Donnä in Paris I)a- guerrotypplatten vertieft geätzt und gedruckt. (E. Stenger, Geschichte der Photo­graphie, S. 5 u. 25.)