Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Der Vater, Alois Ritter Auer von Welsbach.

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An manchen Neuerungen hat sich Auer dadurch ein Mitverdienst erworben, daß er ihren Urhebern tatkräftige Hilfe bot. So wurden unter seinem Direktorate von Josef Kliegl und von L. E. Tschulik neue Setzmaschinen erfunden, wobei er beiden Erfindern vom Kaiser namhafte Geldbeträge erwirkte. -Er verstand es, den Erfinder der Chemitypie, den Dänen Pill, an sein Institut zu fesseln, vor allem aber ist hier die von Paul Pretsch an der Staatsdruckerei 1854 gemachte Er­findung der Photogalvanographie zu nennen, zu der übrigens der Naturselbstdruck die Anregung gab.

Außer der Direktion der Staatsdruckerei in Wien hatte Auer, wie schon erwähnt wurde, einige Jahre lang auch die Leitung der Lemberger staatlichen Druckerei inne. Im Jahre 1857 wurde ihm die Oberleitung über die Druckerei in Temesvar, über die Porzellanfabrik in Wien und über die einige Jahre vorher gegründete Papierfabrik Schlöglmühl bei Gloggnitz übertragen. Hier stellte Auer mehrjährige Versuche zur Herstellung von Maispapier an, die, wenngleich das Erzeugnis in den sechziger Jahren verwendet wurde, doch nicht zu dauerndem Erfolg führten.

Die Papierfabrik Schlöglmühl war seinerzeit in der Erwägung gegründet worden, der Staat müsse seiner großen Druckerei auch eine das Papier liefernde Quelle verfügbar halten, schon um von den schwankenden und oft empfindlich ansteigenden Papierpreisen unabhängiger zu sein. Diesem wirtschaftlich-organi­satorischen Gedanken der Zusammengehörigkeit von Papiererzeugung und Papier­verarbeitung stellte Auer den technischen Parallelgedanken an die Seite:Ich erkannte nämlich, so schreibt er, 1die Möglichkeit, an die das Papier erzeugende Maschine unmittelbar die Schnelldruckpresse anzuspannen, sie von derselben be­wegenden Kraft treiben und beide gleichzeitig wirken zu lassen, so daß der erzeugte lapierbogen von der Papiermaschine im bereits gefeuchteten Zustande auf die Schnellpresse übergehe, daselbst bedruckt und am hinteren Ende derselben mit dem fertigen Drucke weggenommen werde.... Dieser Gedanke war nun freilich nicht ohne weiteres in die Wirklichkeit zu übertragen, doch richtete Auer mehrere Schnell­pressen der Staatsdruckerei so ein, daß er auf ihnen unmittelbar Rollenpapier be­drucken konnte, das dann erst durch die Maschine zu Bogen zerschnitten wurde. Auer zählt mit dieser Konstruktion zu den Wegbereitern der modernen Rotations­maschine, die an die Stelle der hin- und herpendelnden Formenplatte den kreisenden Druckzylinder setzte und mit ihrer gigantischen Druckgeschwindigkeit die Riesen- auf lagen moderner Zeitungen ermöglichte.

Eine von Auers kulturellen Ideen w r ar die immer wieder vertretene Forderung, die Erzeugnisse der graphischen Künste, oder wie er sagte, derveredelten Presse müßten in weit höherem Maße allen Schichten des Volkes zugänglich gemacht "erden, sie müßten der Verbreitung von Kunstreproduktionen, von geographischen und geschichtlichen Kenntnissen, kurz der Volksbildung im allgemeinsten Sinne dienen. Diese Forderung hat sich mit der Vervollkommnung und Verbilligung der Keproduktionsverfahren und dem damit einsetzenden Aufschwung der illustrierten Blätter ja eigentlich erfüllt.

1 Dienstleben, 8. 59.