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1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
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Erster Abschnitt.

Einen großen Gedanken aber hat Auer sein Leben lang mit sich herumgetragen, ohne ihn je verwirklicht zu sehen, den Plan, daß der Staat alle deutschen Schrift­steller unter dem Schutze der Regierung in Wien vereinige, ihre Werke verlege und sie würdig honoriere, um 'damit Wien zum Mittelpunkt der deutschen Literatur zu machen. Doch Auer konnte sich schließlich damit begnügen, in Wien eine typo­graphische Musteranstalt geschaffen zu haben, wie sie kein anderes Land der Welt

besaß. Welches Ansehen die Staatsdruckerei im Auslande genoß, kam in den Erfolgen zum Ausdruck, die sie auf Ausstellun­gen errang, vor allem auf der Lon­doner Weltindustrieausstellung des Jahres 1851, wo sie in ihrer Ausstellungsklasse als einzige die höchste Auszeichnung, die Council Medal, erhielt und damit auch über die altberühmte Staats­druckerei zu Paris den Sieg da­vontrug. Welchen Ruf aber ihr Leiter in der wissenschaftlichen Welt hatte, geht aus einem Brief hervor, in welchem Alexander von Humboldt sich über das graphische Museum des Professors G. J. Dekker lobend äußert, wobei alsder höchste Richter auf diesem Gebieteder sehr berühmte Herr Director Auer in Wien 1 bezeichnet wird.

Im Jahre 1849, zu einer Zeit also, als er längst Re­gierungsrat und eine anerkannte Persönlichkeit war, hatte Alois Auer geheiratet. Seine Frau «Therese, geb. Neuditschka, war die Tochter eines angesehenen Welser Kaufmanns. Der Ehe entstammten vier Kinder: Leopoldine, Alois, Amalie und Carl. Diese Frau, die den Gatten um viele Jahre überlebte, blieb den Kindern eine vortreffliche Mutter, insbesondere aber dem Jüngsten, den sie, so selbständig er schon frühzeitig in sein Schicksal eingriff, bis zu seinem ersten großen Erfolg mit treuer Hand ge­leitete.

Eine große Zahl persönlicher Auszeichnungen wurde Auer im Laufe seines Ijebens zuteil. Im Gründungsjahr der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, 1847, wurde er zum wirklichen Mitglied dieser Körperschaft ernannt. 1850 wurde ihm das Prädikat Ritter von Welsbach verliehen. Die Ordensaus-

Abb. 5. Alois Ritter Auer von Welsbach.

.V ach einer Litographie von A . Seumann.

1 Dienstleben, 8. 52.