Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
Seite
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Die Osmiumlampe.

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Auer von Welsbach, zu dessen Eigenheiten es gehörte, wenig die Literatur zu benützen, war hier, wo er es getan hatte, von ihr im Stich gelassen worden.

Es wurde schon gesagt, daß die Osmiumlampe bald durch andere Metallfaden­lampen ersetzt wurde. 1902 empfahl der Chemiker Werner von Bolton die Ver­wendung des Metalls Tantal, das vor dem Osmium den Vorteil hat, sich zu Drähten ziehen zu lassen. 1904 brachte die Firma Siemens & Halske die Tantallampe auf den Markt. Diese Lampe verbrauchte 1,7 bis 1,8 Watt je Kerze; sie war also etwas unwirtschaftlicher als die Osmiumlampe. Abgesehen von dieser Lampe, deren Leuchtdraht bereits gezogen wurde, lassen alle anderen Formungsmethoden dieser Jahre die Gedanken Auers von Welsbach erkennen. Die Methoden sind zum Teil Auers altem Kohleverfahren, zum Teil seinem Pasteverfahren nachgebildet. Zur ersten Gruppe,Substitutionsverfahren genannt, gehört das Verfahren von F. Blau (1901), das darin bestand, einen Kohlefaden durch Erhitzen in Osmium- oder Rutheniumtetroxyd enthaltenden Gasgemischen zu metallisieren oder das von A\ Just und F. Hanaman (1903), welches die Metallisierung in Dämpfen von Oxy- halo'genVerbindungen des Wolframs anstrebt. DieseSubstitutionsverfahren er­wiesen sich aber für die Praxis als zu kompliziert, weshalb man sich mehr und mehr Methoden zuwandte, die sich an Auers Pasteverfahren anlehnten. Schon um 1900 hatte Eberhard Sander Zirkon- und Rhodiumverbindungen mit einem organischen Bindemittel zu einer Paste verarbeitet, aus der er Fäden preßte, die dann geglüht und in Wasserstoff formiert wurden. Solche Zirkonlampen wurden eine Zeitlang auch erzeugt. 1902 wendete Jakob Gülcher das Pasteverfahren auf Iridiummohr, <1. i. fein Verteiltes Metall, an und stellte mit seinen Iridiumfäden Niedervoltlampen her. Am wichtigsten für die Weiterentwicklung der Metallfadenlampe aber war die Benützung des Pasteverfahrens zur Formung des Metalls Wolfram. Dies gelang um 1904/05 Anton Lederer in Atzgersdorf. Das etwa gleichzeitige Verfahren von Lr. Hans Kuzel, der eine Paste aus kolloidalem Wolfram anwendete, kann selbst­verständlich ebenfalls nur als eine Variation des AuERschen Pasteverfahrens gelten.

Die AuERsche Formgebungsmethode für Glühlampendrähte blieb, angewandt auf das Metall Wolfram, bis gegen 1910 in Verwendung. Inzwischen war es dem Amerikaner Coolidge der General Electric Co. gelungen, dieses spröde Metall bei entsprechender thermischer und mechanischer Behandlung durch Ziehen in Draht­form zu bringen. 1 Die Zerstäubung des Wolframfadens durch Füllung der Lampe mit einem indifferenten Gas zu verhindern, geht auf den Vorschlag Langmuirs (1913) zurück.

Aus diesen kurzen Daten über die Weiterentwicklung der Metallfadenlampe und aus den früheren über ihre Vorgeschichte ergeben sich zwei Tatsachen. Erstens: Auer von Welsbach schuf ein Formungsverfahren für schwerschmelzende Metalle, das auf das Metall Osmium angewandt, ihn instandsetzte, die erste brauchbare Metallfadenlampe zu bauen und fabrikatorisch zu erzeugen; zweitens: auch als man im Wolfram das Leuchtfadenmetall gefunden hatte, bei dem man dann blieb, w urde die AuERsche Formungsmethode auf dieses Material zunächst weiter ver­wendet. Erst das Ziehverfahren der General Electric Co. brachte eine Neuerung,

1 Schon William Edward Staite beschrieb 1848 ein ähnliches Verfahren zur Formung des ebenfalls sehr spröden Iridiums. Vgl. S. 45.