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Neunter Abschnitt.
eines bewährten Helfers Auers von Welsbach, gelegt, der sich um die technische Ausgestaltung der Osmiumlampe besonders verdient gemacht hat. Der Absatz der Lampen war so organisiert, daß sie an den Verbraucher von der Gesellschaft verliehen wurden, die auch für die Instandhaltung zu sorgen hatte. 1904 wurde das Osmiumlampengeschäft von der Gesellschaft abgetrennt und ging als „Osmiumlicht-Unternehmung“ an den Mitarbeiter Auers, Felix Kuschenitz , * 1 über. Nach zwei Jahren ging diese Firma in der Westinghouse Metallfaden-Glühlampen- fabrik auf.
Der Osmiumlampe selber war keine lange Geltungszeit beschieden; sie wurde bald durch die Tantal- und die Wolframlampe abgelöst. Das große Verdienst Auers von Welsbach aber bestand darin, daß er die Glühlampentechnik aus der Sackgasse der Kohlenfadenlampe herausgeführt hatte, indem er — was vor ihm keinem gelungen war — eine überhaupt brauchbare Metallfadenlampe geschaffen oder, genauer gesagt, ein Verfahren zur Formung schwerstschmelzbarer Metalle zu feinen Glühfäden, sein „Pasteverfahren“ ersonnen hatte, nach welchem ja auch die Wolframlampen anfangs hergestellt wurden. Die Tatsache, daß er nicht selber auf das Wolfram gekommen ist, berührt Auer in dem früher zitierten Aufsatz mit den Worten: 2 „Nicht unerwähnt will ich schließlich lassen, daß ich auch andere Metalle in den Kreis meiner Versuche zog. Allein keines von diesen schien mir dem Osmium überlegen zu sein. Hierbei hatte ich freilich das Wolfram übersehen. Eine Unachtsamkeit, der es in erster Linie zuzuschreiben war, daß meiner Erfindung der materielle Erfolg versagt blieb.“ Dieses „Übersehen“ des Metalls Wolfram hatte, wie später nachgewiesen wurde, 3 seinen Grund darin, daß die damaligen Handbücher übereinstimmend dem Osmium den höchsten. Schmelzpunkt zuschrieben.
von der Österreichischen Auer-Gesellschaft in die Fabrik in Atzgersdorf berufen, die er dann auch als selbständige Osmiumlicht-Unternehmung sowie später unter Westing- house leitete. Es gelang ihm, das AuERsche Pasteverfahren auf das Metall Wolfram anzuwenden. Verbesserungen dieser Wolframlampe sind in zahlreichen Patenten Lederers niedergelegt. 1912 stellte er das Werk auf das amerikanische Wolframdraht- Ziehverfahren um.
1921 schied Lederer von der nun als „Vertex-Werk“ vom Osram-Philips-Konzern übernommenen Fabrik. Er richtete sich in der „Hermes-Villa“, einem Schlößchen im Lainzer Tiergarten, ein Laboratorium ein, wo er sehr erfolgreiche Versuche mit Edelgas-Glühröhren durchführte. An dieser seiner Arbeitsstätte starb Lederer am 1. August 1932.
1 Felix Kuschenitz, geb. 29. September 1868 in Wien, besuchte hier die Bürgerund Staatsgewerbeschule und trat nach kurzer Tätigkeit in einem Patentanwaltsbureau in die Dienste der das AuERsche Leuchtfluid herstellenden Firma Welsbach & Williams. Nach der Schließung der Fabrik blieb er als Sekretär und Assistent bei Auer, dem er auch später bei den Versuchen, die zur Erfindung der Osmiumlampe führten, zur Seite stand. 1904 ging die Glühlampenfabrik in Atzgersdorf als selbständige Firma unter dem Namen Osmiumlicht-Unternehmung in Kusciienitz’ Besitz über. Bald darauf wurden in dieser Fabrik durch Lederer die ersten Wolframlampen hergestellt. Kuschenitz leitete noch bis 1907 die inzwischen gegründete Westingliouse-Metallfaden- Glühlampenfabrik Ges. m. b. II. in Wien, wonach er nur noch im Aufsichtsrate dieser Gesellschaft verblieb.
s Elektrotechn. Zeitschr., 42. Jahrg. (1921), S. 454.
3 D’Ans: Carl Freiherr Auer von Welsbach. Ber. d. Deutschen Chemischen Gesellschaft, Jahrg. 64 (1931), Heft 5, Abt. A, S. 80.