Heft 
1934: Zweites Heft : Auer von Welsbach / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Die Osmiumlampe.

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und durch gut schließende Stempel unter hohem Druck zum Faden gepreßt. Der spinnende Faden wurde auf einer beweglichen Unterlage aufgefangen, in passende Stücke zerschnitten, diese geformt, hernach auf einer heißen Tonplatte getrocknet. Die so gewonnenen Fäden kamen in eine Muffe und wurden unter Luftabschluß zum gelinden Glühen erhitzt. Diese nun Kohlenstoff enthaltenden Fäden, die nicht schwierig zu verarbeiten waren, wurden in passende Fassungen eingeklemmt oder mit Osmiumbrei befestigt und waren so zumFormieren fertig. Das Formieren hatte den Zweck, den Kohlenstoff zu entfernen und den Faden zum Sintern zu bringen. Hierzu diente ein gleichzeitig reduzierend und oxydierend wirkendes Gas­gemisch, wie es beispielsweise dem Bunsenbrenner nach dem Zurückschlagen der Flamme entströmt. In einem solchen Gasgemenge wurde der Faden bei'hoher Spannung erst bis zur Rotglut, dann dem sinkenden Widerstand entsprechend, bei niedrigerer Spannung bis zur strahlenden Weißglut erhitzt. Nach kurzer Zeit nahm er seine endgültige Form an. Er war nun zum Einsetzen in die Lampe fertig...

Die Osmiumlampe war, wie ich glaube, die erste niederwattige Metallfaden­lampe, die im Handel erschienen ist. Von da an schossen die Glühlampenpatente wie die Pilze aus dem Boden. Die moderne Glühlampentechnik begann sich zu entfalten...

Die Osmiumlampenpatente Auers wurden von der Österreichischen Gasglüh­licht- und Elektrizitätsgesellschaft übernommen. Im Jänner 1902 machte im Elektrotechnischen Verein in Wien der Oberingenieur Robert Gabriel die Fach­welt mit der Osmiumlampe bekannt, im Herbst dieses Jahres kam die Lampe, anfangsAuer-Oslicht genannt, auf den Markt. Der Hauptvorteil dieser ersten erfolgreichen Metalldrahtlampe gegenüber der Kohlenfadenlampe bestand in ihrer Wirtschaftlichkeit. Während diese je Kerze 3,5 Watt verbrauchte, betrug der Ver­brauch der Osmiumlampe je Kerze nur 1,5 Watt. Freilich hatte die Osmiumlampe auch ihre Schwächen. So konnte sie, da der Leuchtfaden in der Wärme weich und beweglich wurde, anfangs nur hängend gebrannt werden; auch mußte man, da die ersten Lampen nur bis zu Spannungen von etwa 50 oder 70 Volt hergestellt werden konnten, gewöhnlich drei Lampen hintereinander schalten. Demgegenüber stehen aber noch die Vorteile einer hohen Lebensdauer von mindestens 1000 bis 2000, jedoch auch bis zu 5000 und 6000 Brennstunden, einer nur geringen Lichtabnahme bei langer Brennzeit, geringer Wärmeentwicklung und des Fehlens der starken Schwärzung, die das Glas von Kohlenfadenlampen bei längerem Betrieb zeigt. Auch auf das reinweiße Licht der Osmiumlampe wurde, besonders von ärztlicher Seite, hingewiesen. 1

Auer hatte sich rechtzeitig alle erreichbaren Vorräte an Osmium gesichert. Hie Leitung der Fabrik in Atzgersdorf hatte man in die Hände Anton Lederers , 2

1 F. R. v. Arlt in Wochenschrift f. Therapie u. Hygiene des Auges, Jahrg. VII, Nr. 20.

1 Anton Lederer, geh. 2. Mai 1870 in Prag, studierte nach dem Besuche des Gymnasiums zuerst Pharmazie und übernahm eine Apotheke. Teils Neigung, teils w ohl auch seine Ehe mit der Tochter des großen Physikers Ernst Mach führten Lederer bald zur Physik. 1898 ging er an die Universität Wien, wo er durch Ad. Lieben mit A-uer von Welsbach in Verbindung kam, dem er in Treibach bei der technischen Ausgestaltung der Osmiumlampe wertvolle Dienste leistete. 1903 wurde Lederer